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Politik braucht Ideen zur Zukunft der Arbeit

„Arbeit“ bleibt auch nach der Wahl ein wichtiges Thema
Ausgabe: 2002/48, Arbeit, Wahl, Menschen, Senioren, Alter, Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen, Arbeitslosigkeit, Produktivität, Zukunft, Beruf
26.11.2002
- Ernst Gansinger
Die Österreicher/innen haben gewählt und sich an der Wahl stark beteiligt. – Ein Sieg jedenfalls der Demokratie. „In großer Demut“, sagte der Wahlsieger, Bundeskanzler Schüssel, wolle er mit dem Wähler-Votum umgehen.

Zwei der Hoffnungs- aber auch Sorgethemen vor der Wahl hießen Arbeit und Arbeitslosigkeit. Die künftige Politik wird den jungen Menschen Antwort geben müssen, die sich sorgen, eine Arbeit zu finden. Sie wird die Zusagen einlösen müssen, sich verstärkt um Qualifizierung und Ausbildung zu kümmern. Sie wird auch die Ängste der älteren Arbeitnehmer/innen, aus der Berufswelt hinausgedrängt zu werden, aufgreifen müssen.

„Ältere Mitarbeiter/innen sind ein hohes Erfahrungskapital für die Betriebe.“ Solche Einsicht zu stärken, ist die Sozialpartner-Initiative „Alter und Arbeit“ angetreten. – Diese Position müsste kreative Schubkraft auch für die neue Regierung haben.


Erfahrung nutzen


Ältere Mitarbeiter/innen sollten besser gefördert werden


Es hat den Anschein, weil alles immer schneller und flexibler werden muss, kann der ideale Mitarbeiter nicht jung genug sein. Es gibt aber auch ein Gegensteuern: Betriebe schätzen die Erfahrung älterer Arbeitnehmer/innen.

Beim jüngsten Treffen des Arbeitskreises „Kirche-Wirtschaft OÖ“ stellte Dr. Hans M. Aigner von der oö. Industriellenvereinigung das Sozialpartnerprojekt „Arbeit und Alter“ vor.

Risiko Altersarbeitslosigkeit


Dass sich mit zunehmendem Alter die psychische und physische Leistungsfähigkeit ändert, steht fest. Das erhöht das Risiko, arbeitslos zu werden und lange arbeitslos zu bleiben. Der hohe Anteil von arbeitslosen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern über 50 Jahre hat laut dem Projekt „Arbeit und Alter“ mehrere Gründe. So existieren etwa von den älteren Menschen im Arbeitsprozess falsche Vorstellungen. Jahrelang wurde verabsäumt, sie entsprechend zu qualifizieren oder ihnen zu helfen, ihre Kompetenz zu steigern.

Immer mehr Betriebe erkennen allerdings, dass sie Chancen vertun, wenn sie ältere Arbeitnehmer/innen links liegen lassen. Und das nicht nur wegen der sich ändernden Bevölkerungsstatistik (weniger Geburten, späterer Eintritt ins Berufsleben, früherer Pensionsantritt, längere Lebens-erwartung), sondern auch wegen der Erfahrung der älteren Mitarbeiter/innen. Ältere Kunden werden lieber von „reiferen“ Mitarbeiterinnen betreut, ist ein anderer Denkanstoß. Manche Firma schuf Anreize, später in Pension zu gehen. Bei der britischen Handelskette B&Q ist der älteste Arbeitnehmer 88 Jahre alt.

Keine sinkende Produktivität


Älterwerden muss nicht sinkende Produktivität zur Folge haben, unterstreicht die Initiative „Arbeit und Alter“ von Industriellenvereinigung und Arbeiterkammer. Internationale Beispiele und Erfahrungen zeigen sogar ein umgekehrtes Bild:

Am „Elektro-Projekt“ etwa beteiligten sich in Finnland zwölf Betriebe (500 Mitarbeiter/innen) der Elektroindustrie. Ziel war es, Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Kompetenz zu fördern, denn die Ausgangssituation war deutlich: Die Arbeitsfähigkeit kann mit steigendem Alter unter dem dauernden Stehen bei der Arbeit und den wiederholenden Bewegungen leiden. Präzision und gute Sehkraft sind aber Voraussetzungen für gute Leistungen. „Andererseits verlangen Reparaturtätigkeiten ein umfassendes Verständnis des Produkts und viele Kenntnisse.“

Gesundheit und Kompetenz


In einem ersten Schritt führten die finnischen Beriebe eine betriebliche Gesundheitsförderung für Arbeitgeber, Mitarbeiterinnen und Teams ein. Dann ermöglichten sie Maßnahmen zur Verbesserung der Qualifikation. Weiters gestalteten sie die Arbeitsplätze neu (Möblierung, Beleuchtung, Belüftung, Erleichterung der Körperhaltung ...). Schließlich boten sie ein Training zur Verbesserung der Beziehungen am Arbeitsplatz an. Es umfasste Problemlösungstechniken, Kommunikation und Moderationstechniken. Am Ende war die Produktivität um drei Prozent gestiegen. Es sind also drei Zukunftsaufgaben für Betriebe und ältere Mitarbeiter/innen erkennbar: betriebliche Gesundheitsförderung, interessante Arbeitsinhalte und professionelle Kompetenz.

„In Zukunft wird der frühzeitige Abgang erfahrener und leistungsfähiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema werden“, betonte Dr. Aigner. „Betriebswirtschaftliche Probleme auf Grund mangelnder geeigneter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auf Grund fehlender Fachkräfte können bis zur Gefährdung der Unternehmensexistenz führen“, so die Kernaussage Aigners.


STICHWORT


Unter der Internet-Adresse www.arbeitundalter.at wird das gleichnamige Sozialpartner-Projekt präsentiert. Neben vielen Hintergrund-Informationen und internationalen Beispielen findet sich dort auch der Hinweis auf Förderungs-Maßnahmen für Betriebe mit älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Förderungen


Qualifizierungsförderung für Beschäftigte: Das AMS fördert mit dieser Beihilfe die Kosten der Qualifizierungsmaßnahmen von Arbeitnehmer/innen (Frauen, Männer ab 45 Jahren, unqualifizierte Männer unter 45 Jahren).



Altersteilzeitgeld: Arbeitnehmerinnen ab Vollendung des 50. und Arbeitnehmer ab Vollendung des 55. Lebensjahres sollen mit dieserMaßnahme länger in Beschäftigung gehalten werden. Bis zu 6,5 Jahre kann die Arbeitszeit mit teilweisem Ersatz des Einkommensentfalls herabgesetzt werden.


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