Sr. Mary Adline Celeste Abamo SDS (links), und Jacqueline Leite: Die beiden Frauen verbindet der Kampf für die Rechte von Kindern und Jugendlichen über Kontinente hinweg.
Knapp 17.000 Kilometer liegen zwischen den Philippinen und Brasilien. Die Not von Kindern und Jugendlichen ist in beiden Ländern aber gleich: Sie sind häufig Opfer von sexueller Gewalt.
Anna ist siebzehn Jahre alt und lebt mit ihren Eltern an und von der Müllhalde der brasilianischen Stadt Salvador. Eines Tages taucht ein Mann in der Barackensiedlung auf, den nur der Himmel geschickt haben kann: Er macht der bildhübschen Jugendlichen das Angebot, sie zur Tänzerin ausbilden zu lassen. Drei Monate lang soll sie dreimal wöchentlich ein Probenlokal besuchen, dann kann sie nach Europa in einer Bar tanzen. Selbstverständlich in einem Land ihrer Wahl. Dreitausend Dollar wird sie dort monatlich verdienen. Mit dem Gehalt wird sie die Ausbildungskosten, die ihr der nette, fremde Mann vorgestreckt hat, im Handumdrehen zurückzahlen und darüber hinaus für die Familie in der Heimat sorgen können. Nicht nur Anna, auch ihre Eltern sind von der Chance begeistert – zumindest solange, bis sie Jacqueline Leite besucht. Die studierte Kunstgeschichtlerin hat fünf Jahre in der Schweiz Sexarbeiterinnen aus Lateinamerika begleitet, ehe sie wieder nach Brasilien zurückgegangen ist. Nun berät sie junge Frauen, damit sie erst gar nicht ihre Heimat verlassen. Anna hat Glück: Sie und ihre Eltern sind erschrocken, als sie erfahren, was der Beruf Tänzerin in Europa bedeutet. Unverzüglich bricht Anna ihre „Ausbildung“ ab.
Chame, die Organsistion von Jacqueline Leite, kämpft nicht nur gegen die Ausreise junger Frauen nach Übersee, sondern auch gegen die Ausbeutung von Frauen in der eigenen Region: Salvador gilt als ein Zentrum des Sextourismus.
Um die Würde von Kindern und Jugendlichen kämpft auch Sr. Mary Adline Celeste Abamo auf den Philippinen. Die Ordensfrau hat in einer Pfarre am Rand der Hauptstadt Manila ein Kinderschutzprogramm aufgebaut. Rund 60 Prozent der 40.000 Kinder der Pfarre, so schätzt sie, sind Opfer von Missbrauch: von Schlägen und sexueller Gewalt. Mit Hilfe der Basisgemeinden hat sie ein Netz von „Kinderrechtsadvokaten“ gewoben, die Augen und Ohren für Missbrauch offen halten. Die jüngsten der 200 Advokaten sind selbst noch Schüler, aber mit großem Gespür für die Not ihrer Mitschüler/innen. „Mit unserer Arbeit durchbrechen wir die Unkultur des Schweigens und geben den stimmlosen Kindern eine Stimme“, so Sr. Mary.