Millionen pilgerten nach Rom zum Begräbnis. Die Zeitungen waren voll. Der Tod des Papstes bewegte die Weltöffentlichkeit. Eine Pfarrbibliothek wollte ihren Leser/innen einen besonderen Service bieten und stellte Bücher von und über Papst Johannes Paul II. als „Monatsschwerpunkt“ gewissermaßen in die Auslage. Kein einziges der Bücher wurde entlehnt. So schnell vergessen?
Eine Art Krankheit der Zeit scheint das zu sein. Dass den Ereignissen nur am Tag ihres Geschehens Bedeutung beigemessen wird. Tage der Erinnerung werden begangen. 1945, 1955. Ansprachen werden gehalten. Das Wichtige wird betont. Keine Frage. Es ist wichtig, von all dem zu reden, was das Gesicht der Welt in jenen Jahren verdunkelt hat, und von den Jahren danach, als das darniederliegende Europa wieder Atem schöpfen konnte.
Da entdeckt man unter jenen, die als damals Befreite in Mauhausen beim Gedenken letzten Sonntag dabei waren, Menschen mit Tränen in den Augen. Verstohlen wischen sie diese weg. Diese Tränen – sie sagen mehr als eine Rede oder auch eine Predigt es vermag. Da darf es kein Vergessen geben. mf