Das schreckliche Familiendrama von Amstetten ist zweifellos ein „Skandalon“ – ein Anstoß und Abscheu erregendes Ereignis. Ein Skandal aber ist es auch, wie sich die Medien darauf gestürzt haben. Da wurden die wüstesten Spekulationen verbreitet, Bilder von Opfern auf die Titelseiten gestellt und für Quoten und Auflagen der rechtlich garantierte Persönlichkeitsschutz bewusst missachtet. Fast jedes Medium, so die Fachzeitschrift „Journalist“, ist dabei über die Grenzen des Legalen hinausgegangen. Es klingt wie nackter Zynismus, wenn der Verband Österreichischer Zeitungen gerade jetzt anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit am 3. Mai den Slogan „Keine Freiheit ohne Pressefreiheit“ inseriert. Denn Freiheit ohne Verantwortung pervertiert die Freiheit.
Hans Baumgartner
Kein Platz für Bettler in Assisi
Seit über einer Woche ist in Assisi das Betteln im Umkreis von 500 Metern um Kirchen und auf öffentlichen Plätzen untersagt – auf Anordnung des Bürgermeisters der Stadt, Claudio Ricci. Es habe immer wieder Klagen von Anrainern und Touristen gegeben, außerdem handle es sich nicht um vereinzelte Bettler, sondern um ein organisiertes Phänomen, rechtfertigte er den Erlass. Dass der Bischof von Assisi, Domenico Sorrentino, dieses Vorgehen kritisiert, ist absolut verständlich. „In einer Stadt, die sich des ,Geistes von Assisi‘ rühmt, sind mehr Maßnahmen notwendig, um Notleidenden einen Ausweg aus der Bettelei zu ermöglichen“, sagt er. Wie wahr. Was hätte da wohl der heilige Franziskus, der ein Leben in Armut gelebt hat, dazu gesagt?