Seit mehr als einem halben Jahrhundert lebt Irmgard Prestel in Bolivien, einem der ärmsten Länder Südamerikas. Dort hat sie den sozial ausgegrenzten Menschen stets ihre Zuwendung geschenkt. Vor kurzem feierte die gebürtige Linzerin ihren 80. Geburtstag.
„Ein Leben für Kinder“ könnte der Titel für die ungeschriebene Biographie von Irmgard Prestel lauten. Im Jahr 1956 folgte sie dem Ruf ihres Landsmannes Bischof José Rosenhammer in die Diözese San Ignacio de Velasco nach Ostbolivien. Der Einsatz für die Menschen am Rande der Gesellschaft hat ihr Leben bestimmt. So hat sie sich z. B. mit der Gründung einer landwirtschaftlichen Haushaltungsschule der Bildung für Indio-Mädchen gewidmet. Seit ihrem Ruhestand im Jahr 1992 setzt sich die nun 80-Jährige für behinderte Kinder ein. Das von ihr gegründete Behindertenzentrum ist für Betroffene wie z. B. Mercedes, die vor vier Jahren ihre erste Beinprothese bekam, eine Insel der Hoffnung. „Mutti Prestel“, wie sie von ihren Schützlingen genannt wird, erinnert sich: „Mercedes war damals fünf Jahre alt, hatte nie gelacht, kaum gesprochen. Das Mädchen lebte auf dem erdigen Fußboden und schlief in einer Hängematte. Als sie bei uns die ersten Gehhilfen bekam und ihre ersten Schritte machte, flog ein Lächeln über ihr Gesicht.“ 280 behinderte Kinder werden im Zentrum betreut, das u. a. von der Hilfsorganisation „Licht für die Welt“ unterstützt wird.
Sozialarbeit. Begonnen hat Irmgard Prestel ganz klein, in Häusern armer Familien. Nur so könne man das Denken und Fühlen der Menschen verstehen, meint die gelernte Sozialarbeiterin, die vor ihrer Übersiedlung nach Bolivien vor 52 Jahren das Jugendamt der Bezirkshauptmannschaft Linz-Land leitete.
Dr. Irmgard Prestel: „So viele Menschen haben mir immer wieder gesagt, ich solle aufhören, denn ich könne ja nicht allen helfen. Aber ich sage mir immer wieder, es ist besser einem Menschen eine Freude zu machen, als niemandem zu helfen. Solange ich kann, wird das so sein.“