Mädchen und Frauen in Indien werden nach wie vor als Menschen zweiter Klasse betrachtet, diskriminiert, ausgebeutet, unterdrückt. Dagegen kämpft Schwester Aruna George in ihrer indischen Heimat seit vielen Jahren an. Unterstützt wird sie dabei von „Missio“.
Ausgabe: 2016/42
18.10.2016
- Susanne Huber
Aufgeregt greift Suri zum Telefonhörer. Fast ist sie geneigt, wieder aufzulegen. Doch sie tut es nicht und wählt die Nummer 1098. „Nächstes Wochenende soll ich verheiratet werden. Ich will aber nicht“, sagt das Mädchen. Suri ist elf Jahre alt. Das Team der „CHILDLINE 1098“, einer kostenfreien Telefonhelpline für Kinder, wird aktiv, nimmt Kontakt zu Suri auf, führt Gespräche mit ihr und ihren Eltern. Die Ehe kann schließlich verhindert werden.
Mitgift
Arrangierte Kinderehen kommen in Indien häufig vor, obwohl sie verboten sind. „Für die Eltern der Braut ist das Heiraten eine kostspielige Angelegenheit wegen des Mitgiftsystems, das offiziell auch verboten ist, aber immer noch angewandt wird. Vor allem für Eltern aus armen Verhältnissen ist die hohe Mitgift für die Töchter eine große finanzielle Belastung und stürzt sie nicht selten in den Ruin“, erzählt die indische Schwester Aruna George von der Kongregation der Schwestern vom Guten Hirten. Je jünger die Braut ist, desto weniger Mitgift muss bezahlt werden. Deshalb wird versucht, Mädchen möglichst früh zu verheiraten, „oft schon mit elf, zwölf Jahren“, sagt die Projektpartnerin von „Missio“, den Päpstlichen Missionswerken, die derzeit in Österreich zu Gast ist. Wegen des Kasten- und Mitgiftsystems sind Mädchen in Indien daher meist unerwünscht und es kommt immer wieder zu Abtreibungen oder die Töchter werden nach der Geburt ausgesetzt, verkauft oder getötet.
Programme
Seit mehr als 16 Jahren setzt sich Schwester Aruna George gemeinsam mit ihren Mitschwestern und Sozialarbeitern gegen die Unterdrückung von Kindern und Frauen im Bundesstaat Andra Pradesh ein. Zielgruppe sind vor allem die Dalits, die „Unberührbaren“, die zur benachteiligten Gesellschaftsgruppe der Kastenlosen gehören. „Wir sind in 40 Dörfern der Region vertreten, helfen Frauenselbsthilfegruppen zu gründen, bieten ihnen Ausbildungs- und Gesundheitsprogramme an, klären sie über ihre Rechte auf und leisten auch kostenlose Rechtsberatung“, erzählt die Schwester. Dadurch wird versucht, Kinderehen, Mitgiftmorde, Mädchen- und Frauenhandel, häusliche Gewalt, Prostitution und Kinderarbeit zu verhindern. Die Gesetze im Land seien gut, sagt die Ordensfrau, doch durch Korruption unter anderem innerhalb der Justiz und der Polizei kommen dieses Gesetze kaum zur Anwendung.
Weiterkämpfen
Die Schwestern vom Guten Hirten arbeiten auch mit der Regierung zusammen. Die kostenlose „CHILDLINE 1098“ ist ein Projekt des indischen Frauenministeriums und wurde von Schwester Aruna George gemeinsam mit einem Team von Ehrenamtlichen vor fünf Jahren im Bezirk Guntur aufgebaut. Seither konnte durch dieses Angebot jährlich 700 Kindern geholfen werden. Schwester Aruna wurde dafür 2015 mit einem Preis geehrt. Generell ist es ihr ein großes Anliegen, die Frauen zu ermächtigen, ihre Stimme zu erheben, sich erhobenen Hauptes gegen Unterdrückung und Ausbeutung zu wehren. „Alle Menschen müssen mit Würde und Respekt behandelt werden, egal welcher Klasse oder Kaste sie angehören, egal welchen Geschlechts sie sind. Dafür werden wir weiterarbeiten und kämpfen.“ « u Dieser Ausgabe liegt ein „Missio“-Erlagschein bei.
Weltmissions-Sonntag 2016
Vor 90 Jahren beging die katholische Kirche erstmals den Weltmissions-Sonntag. Jeweils am vorletzten Sonntag im Oktober – heuer am 23. Oktober – wird seither nicht nur in allen Pfarren Österreichs, sondern weltweit für die ärmsten Diözesen der Welt gesammelt. Verantwortlich für die Organisation und Durchführung des Weltmissions-Sonntags sind die Päpstlichen Missionswerke („Missio“). Die „Missio“-Sammlung ermöglicht die pastorale und soziale Arbeit der Kirche in diesen Diözesen und es werden pastorale und soziale Projekte gefördert. Das Schwerpunktland zum heurigen Weltmissions-Sonntag ist Indien.
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