Die Straßenzeitung Kupfermuckn, die in Linz und Wels von Wohnungslosen und Menschen an der Armutsgrenze gemacht wird, hat in ihrer Dezember-Ausgabe Delogierte zu Wort kommen lassen.
„Vor drei Jahren wurde ich von meiner Wohnung delogiert“, schildert Erich, wie es ihm ergangen ist. „Da ich den Delogierungstermin nicht wusste, lebte ich in dieser Zeitspanne in Angst und Schrecken ...
Eine Aufgabe der Sozialpolitik. Erichs Delogierungs-Bericht setzt fort. „Weil ich etwas zu erledigen hatte, verließ ich in der Früh die Wohnung. Als ich kurze Zeit darauf zurück kehrte, hörte ich im Stiegenhaus laute Stimmen ... Ich wusste sofort Bescheid ... Ausgerechnet vor meiner Wohnungstür stand diese Versammlung von Möbelpackern und der Gerichtsvollzieher ... Es passierte dann das übliche Prozedere. Ein Paar Sachen packen und raus.“Erich hatte nach seiner Delogierung ein paar Monate Unterkunft in der Notschlafstelle. Heute hat er dank der Unterstützung der „Arge für Obdachlose“ wieder eine Wohnung.
Aufgabe der Landespolitik. Mit dem Oö. Sozialhilfegesetz 1998 nahm die Landesregierung die Hilfe für Obdachlose und von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen in den Aufgabenkatalog der Landespolitik auf. Im kommenden Jahr wird das Sozialressort Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe mit 3,3 Millionen Euro unterstützen. Am 1. Dezember 2008 wurde erstmals ein Landes-Sozialprogramm für die Obdachlosen und die von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen verordnet. Der Vorschlag dazu kam von Landesrat Josef Ackerl.
1500 wohnungslose Menschen. In Oberösterreichs Städten sind etwa 1500 Personen akut wohnungslos und 210 Personen obdachlos. Aber auch im ländlichen Raum steigt die Zahl der akut Wohnungslosen. Im Jahr 2007 nutzten fast 1350 Personen das Angebot eines Tageszentrums, etwa die Wärmestube, und 580 Personen nahmen das Angebot der ungefähr 100 Plätze in einer Notschlafstelle in Anspruch. 500 Personen erhielten eine Wohnbetreuung. Räumungsklagen gab es 1544; bei Gericht wurden 1258 Kündigungen eingebracht. Im Jahr 2007 wurden insgesamt 487 Delogierungen durchgeführt. Das Landessozialprogramm will Angebotsvielfalt und setzt auf Vorsorgemaßnahmen, um Wonungsverlust zu verhindern. Ziel ist, die betroffenen Menschen möglichst rasch in die Gesellschaft zu reintegrieren. Wichtig ist dafür auch, so Ackerl, der Zugang zum sozialen Wohnbau, also zu leistbaren Wohnungen.
- Kupfermuckn, Straßenzeitung von Randgruppen und sozial Benachteiligten, Arge für Obdachlose, Marienstraße 11, 4020 Linz;Spendenkonto: 10.635.860, VKB-Bank (BLZ 18600)www.arge-obdachlose.at www.kupfermuckn.at