„Ich bin voll froh, dass ich wieder eine Arbeit habe!“
Zum Tag der Arbeitslosen am 30. April: Straffällig gewordene Menschen haben es ganz schwer
Ausgabe: 2009/18, Arbeit, Arbeitslose, Risiko, Konflikt
29.04.2009
- Ernst Gansinger
Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist bei Menschen mit Pflichtschulabschluss um bis zu sechsmal höher als bei Akademikern.Besonders schwer haben es junge Menschen, die straffällig geworden sind. Neustart, wie die einstige Bewährungshilfe sich nennt, kennt dazu viele Beispiele.
Enad flieht neunjährig aus einer der Konfliktregionen dieser Welt nach Österreich. Seit 2001 lebt er hier und ist anerkannter Flüchtling. In der Schule hatte er gute Erfolge. Nach zwei Jahren Volksschule kam er ans Gymnasium. Mit 15 begann er eine Maurerlehre. Doch Enads niedrige Aggressionsschwelle bringt ihn mit dem Gesetz in Konflikt. Wegen Raufhändel und Körperverletzung wird über ihn 2007 eine dreimonatige Untersuchungshaft verhängt. Von den schwersten Vorwürfen wird er später zwar freigesprochen, aber er versucht gar nicht, alles zu verharmlosen. – „Ich habe Scheiß gemacht und ich habe es zurückbekommen.“ An den Folgen seiner Haft leidet er allerdings bis heute: Er verliert die Arbeit. Neustart betreut ihn nun schon ein Jahr lang. Die diplomierte Sozialarbeiterin Angelika Thalbauer bemüht sich, dass Enad seine Fachausbildung fortsetzen kann und wieder eine Lehrstelle findet.
Alles verloren. „An dem Tag habe ich alles verloren: die Arbeit, den Respekt der Verwandten und das Vertrauen des Vaters“, erzählt der siebzehnjährige Enad. „Der Tag“, das war der 22. Februar 2008. Damals wurde er eingesperrt. Enad wirkt deutlich älter – Spuren des Gefängnisses! Als er am 17. Mai 2008 aus dem Gefängnis entlassen wurde, stand er vor einer brüchigen Zukunft: Er muss seither mit 150 Euro im Monat das Auslangen finden. Dabei gehen alleine für den unkündbaren Handyvertrag 40 Euro auf. Über das AMS besuchte er einen halbjährigen Kurs und konnte auch das zweite Modul der Berufsschule machen. Aber ein Arbeitsplatz blieb lange in weiter Ferne. Er versuchte alles: Wo immer er vorbeikam und ein Firmenschild einer Baufirma sah, wurde er vorstellig: „Ich möchte Arbeit, haben Sie eine?“ Er resümiert: „Es ist sehr schwer, wennst im Gefängnis warst.“
Aus dem Schlamassel herauskommen. Er beißt sich durch, will mit sauberen Mitteln aus seinem Schlamassel herauskommen. Und er schafft es: „Gott sei Dank habe ich wieder einen Job bekommen.“ Er sagt dies im KirchenZeitungs-Gespräch, das zufällig am Abend des Tages stattfindet, als er die Nachricht bekommt: Er kann bei einer Firma, bei der er jetzt ein paar Wochen auf Probe arbeitet, ab Mai seine Maurerlehre fortsetzen.
Zur Sache
Jung und arbeitslos
Die Arbeitslosigkeit steigt, noch stärker als der Durchschnitt aller arbeitsfähigen Personen sind davon die jungen Menschen betroffen. Ende März 2009 waren 6364 Personen arbeitslos vorgemerkt. 618 Personen waren zum selben Termin in der Statistik der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden eingetragen. In Schulungsmaßnahmen befanden sich 3817 Personen. Die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung rechnet anhand von Zahlen aus der Statistik vor, dass in Oberösterreich Ende März etwa 11.000 junge Menschen arbeitslos waren.
NEUSTART. Bei Neustart Wels-Ried wurden im abgelaufenen Jahr 2008 von 29 hauptamtlichen und 64 ehrenamtlichen Bewährungshelferinnen und -helfern 950 Klienten betreut. Beinahe 40 Prozent von ihnen sind jünger als 18 Jahre, weitere knapp 20 Prozent sind zwischen 18 und 21 Jahre alt. 45 Prozent der zu einer bedingten Strafe verurteilten Klienten mit bewährungshilfe werden innerhalb von drei Jahren wieder straffällig. Männliche jugendliche Klienten haben das größte Risiko, wieder straffällig zu werden. Deshalb, so die Leiterin der Bewährungshilfe Wels-Ried, Elke Schernhammer, sind Arbeitsplatz oder Ausbildungskurse neben der Einzelbetreuung durch die Bewährungshilfe ganz wichtige Unterstützungen. Geld und finanzielle Unabhängigkeit sind für das Erwachsen-Werden ebenfalls enorm wichtig.“