Die Landwirtschaft hat derzeit keine gute Zeit. Die Preise sinken, die Betriebsmittel werden deutlich teurer, das Einkommen wird dünn. Alleine in Oberösterreich demonstrierten mehrere tausend gegen das „Bauernsterben“.
Renate Schwarz und ihr Mann bewirtschaften den Walketseder-Hof in Engerwitzdorf, nahe Linz. Die Schwiegereltern helfen mit, sie haben vor einem Jahr den Hof übergeben. Am Hof werden Kälbinnen von drei Partnerbetrieben aufgezogen. Bisher hat sich die Krise noch nicht so bemerkbar gemacht. Doch bei der letzten Versteigerung waren die Folgen des verfallenden Milchpreises auch zu merken. Schlimm aber hat es die Milchbauern getroffen. Sie bekommen derzeit 30 Cent pro Liter Milch, Tendenz weiter fallend. Vor einiger Zeit waren es noch 40 Cent!
Deckungsbeitrag reicht nicht. Gabriel Schaupp aus Sierning, der zur IG Fleisch gehört, ist ein Schweinemäster. Ein Freund von ihm ist Milchbauer, er bräuchte 35 Cent pro Liter, damit die Kosten gedeckt sind. Die Milchbauern produzieren derzeit, ohne ein Einkommen zu erwirtschaften. Schaupp selbst kauft für seinen Betrieb junge Ferkel und mästet sie. Nach 15 Wochen verkauft er sie. Pro Schwein bleiben ihm neun Euro Deckungsbeitrag. Das reicht nicht, um die Fixkosten zu decken. „Den Bauern geht’s net guat!“ Sollte er da nicht aufgeben? – Nein, er hält sich ans Prinzip Hoffnung. Vielleicht kracht der globale Wahnsinn einmal so zusammen, dass die heimischen Produzenten wieder einen guten Platz haben.
Das AMA-Gütesiegel. Renate Schwarz und ihr Mann bleiben auch in der Krise optimistisch und sind gerne Bauern. In ihrem Stall stehen bis zu 30 Kälbinnen. Dass die Bauern derzeit so unter Preisdruck geraten, hänge mit dem weltweiten Agrarhandel zusammen. Zum Beispiel beim Rind: Die vielen kleinen österreichischen Familienbetriebe in oft hügeliger und steiler Landschaft können unmöglich zu Preisen produzieren wie Bauern in Ländern, in denen die Höfe viel größer sind, etwa in Argentinien. Dazu kommt, dass in Österreich viel strenger kontrolliert wird, was natürlich der Qualität zugute kommt, aber die Kosten erhöht. Der österreichische Konsument müsste das noch viel mehr als bisher honorieren und bewusst österreichische Qualität kaufen. Das AMA-Gütesiegel, so Renate Schwarz und Gabriel Schaupp, ist der einzige Garant, dass das Produkt von einem Tier stammt, das in Österreich gehalten, geschlachtet und verarbeitet wurde.
Aufmerksam machen. Renate Schwarz war bei der Bauernbund-Demonstration. „Wir sind mitgegangen, um aufmerksam zu machen. Unmittelbar bewirken werden wir nichts. Das müssen dann die Bauernvertreter verhandeln.“ Aber es gehe in diesen Zeiten ja nicht nur den Bauern schlecht, gibt Renate Schwarz zu bedenken, sondern vielen anderen auch. Es sei zu bedenken, dass an der Landwirtschaft viel hänge – Bauern sind wichtige Auftraggeber für die heimische Wirtschaft.
Immer größer. Die Bauern wollen keine Subventionsempfänger sein, sondern für ihre Produkte einen fairen Preis bekommen. Doch viele Bauern müssen arbeiten gehen, weil sie vom Ertrag ihres Hofes nicht mehr leben können. „Ist es nicht ein Unfug, dass auch die bäuerlichen Betriebe immer größer werden müssen, um überleben zu können?“, fragt eine Bäuerin. Läge nicht in der kleinen Hofstruktur viel mehr die Garantie zur Qualität und auch dafür, dass die Betriebe nicht so anfällig sind? Etwa, wenn in einem Betrieb eine Krankheit ausbricht und alle Tiere geschlachtet werden müssen. Da macht es einen Unterschied, ob der Betrieb 500 Schweine hat oder 100.