Ausgabe: 2010/20, Ruf, Reformen, breite Basis, Hans Baumgartner, Ökumenischer Kirchentag, München, Kogress der Pfarrgemeinderäte, Mariazell, Alois Kothgasser, wiederverheiratete Geschiedene, Egon Kapellari, heiße Eisen, Dialog, Reformwünsche
19.05.2010
Zwei grundverschiedene Veranstaltungen – der Ökumenische Kirchentag in München und der Kongress der Pfarrgemeinderäte Österreichs in Mariazell. Und doch kam ein Anliegen bei beiden Veranstaltungen klar und drängend zum Ausdruck: der Ruf nach Reformen in der Kirche. „Wir müssen in anstehenden Reformfragen mutiger voranschreiten“, forderte der bei Gott nicht progressive katholische Kirchentagspräsident Alois Glück. Auch beim Kongress in Mariazell, zu dem mit den Pfarrgemeinderäten ein Querschnitt der engagierten Katholik/innen des Landes geladen war, wurden die Reformwünsche laut geäußert. Ein Delegierter aus der Diözese Eisenstadt fand viel Zustimmung, aber auch ehrliche Betroffenheit bei manchen Bischöfen, als er sagte: „Wir sind hoch motiviert, aber nicht um jeden Preis.“ Und er verwies darauf, dass viele Pfarrgemeinderäte mittlerweile bei wichtigen Themen wie dem Zölibat den Bischöfen die Gefolgschaft verweigern.
Noch vor dem Kongress in Mariazell haben einige Bischöfe auf notwendige Reformen hingewiesen. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser sprach die „unglückliche Situation“ der wiederverheirateten Geschiedenen in der Kirche an. Der Eisenstädter Bischof Paul Iby trat für ein neues Nachdenken über die Weihe verheirateter Männer und – mittelfristig – auch über die Weihe von Frauen ein. Und der steirische Bischof Egon Kapellari kündigte einen „offenen Gesprächsprozess“ in seiner Diözese an – auch über die „heißen Eisen“. Vielleicht wird Mariazell zum Beginn eines neuen Dialogs, der nicht wieder versandet. Denn ungelöste Probleme lassen sich nicht aussitzen.