„Heimspiel: Auswärtsspiel“ ist eine Sonderschau im Museum Arbeitswelt Steyr, die elf Fußballmigranten der Vergangenheit und Gegenwart von Béla Guttmann bis Ivica Vastic portraitiert.
Seit es Fußball gibt, haben Ball, Kicker und Trainer Grenzen überschritten. „Schon vor 80 Jahren hatte Fußball in Österreich eine transnationale Dimension“, sagt Mag. Robert Hummer vom Museum Arbeitswelt Steyr. „Österreichs Nationalteam war in der Zwischenkriegszeit dank der Migranten so erfolgreich“, erklärt der Politikwissenschaftler und verweist auf Österreichs aktuellen Teamkick, den Migrantenkinder wie Yasin Pehlivan bereichern.Beim Wiener Verein Hakoah spielten etwa in den 20er Jahren manchmal sieben Ungarn gleichzeitig. Der Star des ersten österreichischen Meisters im Profifußball war Béla Guttmann, ebenfalls Ungar. Er ist einer jener elf Spieler aus Vergangenheit und Gegenwart, mit denen das Museum Arbeitswelt in Steyr das Thema Migration im österreichischen Fußball beleuchtet. Die exemplarischen Biografien reichen von Guttmann über Vorwärts-Steyr-Trainer Radan Lukic bis hin zur Fußballlegende Ivica Vastic. Mit der Brasilianerin Rosana wird auch eine Profispielerin portraitiert. Das fiktive Team erzählt Geschichten vom Verlassen der Heimat, und der mehr oder weniger gelungenen Integration in Österreich.
„Echter Österreicher.“ Nach schlechten Spielen wurde er früher beschimpft, spätestens nach seinen tollen Leistungen bei der Fußball-WM 1998 war er ein Held. Der gebürtige Kroate Ivica Vastic hat es wohl am heftigsten erfahren, wie zwiespältig das Verhältnis der Fußballfans zu ihren migrantischen Stars ist. „Ivo – jetzt bist du ein echter Österreicher!“, vereinnahmte die „Kronenzeitung“ Vastic nach seinen heute berühmten WM-Toren 1998. Zudem bekommen auch die Fußballer zu spüren, dass sie manchmal nur im Umfeld des Spiels akzeptiert sind. Der uruguayische Profi Sebastian Martinez (Vizemeister mit SV Ried 2007) stieß etwaauf heftige Widerstände bei der Wohnungssuche. Wie es ihm dabei genau erging, können Ausstellungsbesucher in dem Kurzfilm „Mit Blick auf Wien“ erfahren.
Teams sind toleranter. In puncto Toleranz ist man innerhalb der Fußballteams weiter, glaubt Hummer: „Das Berufsfeld ist international. Dort hat man den Umgang mit und zwischen Fremden gelernt.“ Fußball sei aber auch abseits des Profisektors ein Sport, der das Zusammenleben der Kulturen grundsätzlich fördert. Hummer: „Fußball kann jeder spielen, egal ob man aus Afrika kommt oder Südamerika oder Österreich, man braucht nur einen Ball dafür. Es ist kein elitärer Sport und ist deshalb Mittel und Zweck zur Integration.“
- Heimspiel: Auswärtsspiel: Zu sehen: 18. Mai bis 30. September 2010
Fußballmigranten
Über 1000 ausländische Spieler haben seit 1945 in Österreichs oberster Fußballliga gespielt. Die meisten stammen aus Jugoslawien bzw. den Nachfolgestaaten mit insgesamt knapp 30 Prozent, Deutschland folgt mit 15 Prozent auf den Rängen dahinter folgen Ungarn mit 5,6 Prozent, Polen mit 4,6 Prozent und Brasilien mit 3,1 Prozent.