Die Landesausstellung „Renaissance und Reformation“ stellt nicht nur Vorgänge der Vergangenheit dar, sondern regt auch an, sich mit dem Heute in Gesellschaft und Kirche auseinanderzusetzen. Was aber fehlt, ist ein genauer Blick auf die Frauen der Reformation, findet Angela Repitz von der Katholischen Frauenbewegung.
Die Fuß-Sternwallfahrt mit einer ökumenischen Feier auf dem Schulterberg am 19. September 2010 ist ein Ergebnis dieser Auseinandersetzung mit der Landesausstellung, meint Angela Repitz. Sie lebt in Pram, arbeitet in der Katholischen Frauenbewegung OÖ (kfb) als Stellvertretende Diözesanleiterin mit und ist mit Erwin, einem evangelischen Christen verheiratet. Als kfb-Mitglied sensibel für die Anliegen der Frauen und durch ihre Partnerschaft offen für die Ökumene war es für Angela Repitz naheliegend die beiden Themen näher zu beleuchten: Das Schicksal von Frauen und deren Kinder in der Zeit der Reformation und Gegenreformation sowie Toleranz, Friede und Ökumene.
Mittragende Frauen. Schon unmittelbar bei der Eröffnung der Landesausstellung ist Repitz, Mutter von vier Kindern, auf das Thema Frauen und Reformation gestoßen. Als sie bei einer Führung nach dem Beitrag der Frauen fragte und anmerkte, dass Frauen in der Schau nur sehr wenig berücksichtigt werden, bekam sie eine recht ausweichende Antwort. Mit der sie sich natürlich nicht zufrieden gab. Zu Recht, denn die Frauen haben auf vielfältige Weise die Reformation mitgetragen.
Gerechtigkeit für die Töchter. Was man anerkennen muss: Mit Namen fassbar sind wenige Frauen der Reformation. Dorothea Jörger (1497–1556) aus Tollet bei Grieskirchen ist eine Ausnahme und sie hat in der Landesausstellung auch ihren Platz. Sie ist jene Frau, mit der Martin Luther nach seiner eigenen Frau Käthe die meisten Briefe gewechselt hat. Ihre Verbundenheit mit Luther und seiner Familie zeigt sich darin, dass sie zum Beispiel Luthers Sohn Hänschen ein Unterkleid geschenkt hat, worüber dieser sich sehr gefreut hat. Auch zur Unterstützung von Studenten in Wittenberg stellte sie Luther Geld zur Verfügung. Dorothea Jörger korrespondiert auch mit Luther über die Abfassung ihres Testaments. Ein Punkt dabei ist – und der beschäftigt sie über mehrere Jahre –, dass sie ihren Töchtern Gerechtigkeit widerfahren lassen möchte, erklärt Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Kirche Oberösterreich: Die Töchter hatten vor Jahren zugunsten der Söhne auf das mütterliche Erbe verzichtet. Dorothea Jörger möchte nun aber die Söhne dazu bewegen, ihrerseits auf diesen Verzicht zu verzichten. Lehner: „Für mich ist diese Frau eine beeindruckende Persönlichkeit und sicherlich auch ein Hinweis darauf, dass viele Frauen aktiver und wichtiger waren in ihren Familien, aber auch in den Beziehungen nach außen, als wir das heute oft wahrnehmen“.
Zur Sache
Sternwallfahrt und Friedensgottesdienst
Heute ist Ökumene zwischen den Kirchen in Österreich selbstverständlich. Das war nicht immer so, daran erinnert der Ort, an dem die ökumenische Feier abgehalten wird: am Schulterberg in der Gemeinde Pram fand am 20. September 1626 eine Bauernkriegsschlacht statt. Wenn auch wirtschaftliche Unterdrückung eine Rolle spielten, lassen sich die Bauernkriege nicht von den konfessionellen Kämpfen trennen. An diesem historischen Platz laden die Marktgemeinde Pram, die Katholische Pfarre Pram und die Evangelische Pfarre Wallern/Gallspach, sowie die Katholische Frauenbewegung OÖ und die Evangelische Frauenarbeit OÖ am 19. September 2010 zu einer Fuß-Sternwallfahrt ein. Von neun Orten werden Pilgerbegleiter/innen die Wallfahrer auf den Schulterberg führen (Wegzeiten zwischen ein und zwei Stunden, Treffpunkte unter www.pram.at). In einer kurzen Spielszene wird dann gezeigt, was es hieß, wenn Frauen im Zuge der Kämpfe im 17. Jahrhundert ihre Männer verloren, wirtschaftlich vor dem Nichts standen, die Heimat verlassen und dabei oft die Kinder auf katholischen Höfen zurücklassen mussten. Dann folgt ein ökumenischer Gottesdienst (10.30 Uhr; bei Schlechtwetter im Zelt), der die Themen Gespräch, Toleranz und Frieden aufgreift. Anschließed ist Agape.