Die Kommentare zum Sonntagsevangelium – auf Seite 13 – verfassen zurzeit Gefangene in der Strafanstalt Garsten. Gefängnis-Seelsorger Georg Kamptner erzählt, wie eine Bibelrunde hinter Gittern vor sich geht.
Ob die Bibel in einem Pfarrhof oder in der Justizanstalt gelesen und besprochen wird, macht keinen Unterschied, meint Georg Kamptner. Die Gefahr, zu schwadronieren und vom Hunderten ins Tausendste zu kommen, ist drinnen genauso groß wie draußen. Darum sieht er seine Hauptaufgabe als Bibelrunden-leiter, dass das Gespräch immer wieder zur Frage zurückkommt: Was heißt der Bibeltext für dein Leben im Gefängnis von Garsten?
Die Zelle macht offen. Übertreibungen liegen Kamptner fern, darum formuliert er vorsichtig: „Es gibt unter den 390 Häftlingen gar nicht so wenige, die sich mit der Bibel beschäftigen.“ Vor allem jene, die lange Haftstrafen abzusitzen haben. Sie kommen deswegen nicht automatisch zu den Gottesdiensten, oft nicht einmal zu den Bibelrunden. Meist ganz nebenbei erzählen sie dem Seelsorger: „Wenn’s mir nicht gut geht, schlage ich die Bibel auf. Dann finde ich den Satz, der mir hilft.“ Das Leben im Gefängnis weckt das Interesse an der Bibel, ist Kamptners Erfahrung. Darum gibt es in Garsten auch drei Bibelrunden: eine für englischsprachige Häftlinge, eine ist eher im freikirchlichen Geist gestaltet, und die ökumenische Bibelrunde, von der die derzeitigen Evangelienkommentare kommen.
Bibel und Gefängnisleben. Die ökumenische Bibelrunde besteht schon seit Jahrzehnten, sie trifft sich alle zwei Wochen und wird abwechselnd von evangelischen und katholischen Seelsorgern (Georg Kamptner und Gudrun Schnaubelt) gestaltet. Es kommen zwischen zwölf und fünfzehn Gefangene, ein Drittel davon sind „Lebenslange“. Kamptner erzählt, wie er die Treffen gestaltet. Zum Aufwärmen gibt es Kaffee, dann liest jeder reihum ein paar Verse der vorgesehenen Bibelstelle. Der Seelsorger gibt eine kurze Einführung. Manche Teilnehmer haben auch mehrere Bibelausgaben dabei, um die Übersetzungen vergleichen zu können. Anschließend kann jeder sagen, welcher Satz ihm bedeutsam ist. „Es ist ein ganz anderes Leben hier und doch sind es dieselben Themen wie draußen: Wie gestalte ich das Zusammenleben – hier ist es die Viermann-Zelle, wie gehe ich mit schwierigen Mitmenschen um – hier ist es der Mitgefangene. Was gibt mir Hoffnung?“ Für die KirchenZeitungs-Evangelienkommentare haben Kamptner und seine Kollegin Schnaubelt – in Absprache mit den Gefangenen – ihre Überlegungen und persönlichen Zeugnisse mitgeschrieben. So einfach ist das, meint er lächelnd. Aber es ist gerade diese Einfachheit, die tief geht.