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Ein Mann will zum Bäcker gehen. Auf dem Weg dorthin bleibt er verwirrt stehen. Er weiß nicht mehr, wohin er wollte. Da meldet sich ein elektronisches Gerät, das er bei sich trägt. „Zum Bäcker“, sagt es. Das hilft dem Mann, sich auf sein Vorhaben zu konzentrieren. – Geht es nach Tim von Oertzen, könnte so eine Zukunft aussehen, in der Menschen mit beginnender Demenz (Alzheimer ist eine Form von Demenz) ihren Alltag selbstständig meistern können. Der Neurologe leitet am Linzer Kepler Universitätsklinikum das Forschungsprojekt „Senex“. Er und sein Team wollen herausfinden, ob technische Geräte Betroffenen helfen können, vergessene Absichten automatisch wieder ins Gedächtnis zu rufen. Dafür haben sie in den vergangenen Monaten verschiedene Testpersonen mit einem Sensorennetzwerk ausgestattet, das Auge und Kopfbewegungen misst, die Schrittweite, Atmung und Herzfrequenz. Die Probanden wurden begleitet, während sie zu einem Ausgangspunkt zurückkehren sollten. Die Zeiträume von „Verwirrtheit“, wie Tim von Oertzen es nennt, wurden erfasst.
Die erste Phase der Studie sei gerade abgeschlossen worden, sagt Tim von Oertzen. „Wir haben unglaublich viel an Information aufgezeichnet.“ Jetzt geht es darum, zu erforschen, welche körperlichen Verhaltensweisen typisch sind für Verwirrtheit und mit welchen technischen Methoden sie tatsächlich gemessen werden können. Die Ergebnisse sollen schließlich als Basis für intelligente technische Unterstützungssysteme dienen, die von Personen mit beginnender Demenz genutzt werden können. „Davon sind wir noch weit entfernt“, sagt Tim von Oertzen. Aber er ist zuversichtlich, dass das Forschungsprojekt zügig vorangehen kann, sobald die nächsten Förderungen zugesagt werden. „Senex“ ist ein Programm, das Demenzschübe bei betroffenen Personen erkennen und diese im Alltag unterstützen soll. Geforscht wird in enger Zusammenarbeit unter anderem zwischen dem Kepler Universitätsklinikum und der Johannes Kepler Universität Linz. Dort ist ein weiteres Projekt zum Thema „Demenz“ in Arbeit: Es ist der Früherkennung gewidmet.
Eine Demenzerkrankung kann medizinisch festgestellt werden. Dafür wird Gehirnflüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal entnommen. Die sogenannte Lumbalpunktur sei gerade für ältere Patientinnen und Patienten sehr unangenehm, sagt Martin Kaltenbrunner. Der Physiker leitet das Forschungsprojekt „SensApp“, das die Früherkennung durch eine Blutprobe ermöglichen soll. Die geringen Protein- oder Eiweißkonzentrationen, die auf Demenz hinweisen, können in nur winzigen Blutstropfen nachgewiesen werden. Die Mikrotropfen lassen sich aus einer Blutprobe herausreißen, indem die Oberfläche erhitzt und ein elektromagnetisches Feld erzeugt wird. Die Tropfen treffen auf Sensoren, auf denen die Proteinkonzentration nachgewiesen werden kann. Das Verfahren gibt es im Grunde bereits. Die dafür nötigen Apparate seien aber für einen Krankenhausbetrieb nicht geeignet, sagt Martin Kaltenbrunner. Das Ziel von „SensApp“ ist, Sensoren zu entwickeln, um in weiterer Folge kostengünstige Geräte für den täglichen Einsatz bauen zu können. Das Projekt kann auf Grundlagen aufbauen, die in den letzten zehn Jahren international erforscht wurden. „Wir haben gute Chancen, die Geräte an die Patienten zu bringen“, sagt Martin Kaltenbrunner.
Je früher eine Demenzerkrankung erkannt wird, desto besser können die Symptome einer Demenz behandelt werden. Das ist der Ansatz, der nicht nur in der medizinischen Forschung verfolgt wird. Die Psychologin Stefanie Auer entwickelte als wissenschaftliche Leiterin der „MAS Alzheimerhilfe“ mit Sitz in Bad Ischl Konzepte, auf Basis derer Betroffene ihre Fähigkeiten so lange wie möglich ausüben können. Das niederschwellige und langfristige Angebot sei dabei ein wichtiges Prinzip, sagt Stefanie Auer. Nur so können Menschen erreicht werden, bevor der Verlust von erworbenen Fähigkeiten dazu führt, dass sie sich von ihrer Umwelt zurückziehen. Das Angebot der MAS-Demenzservicestellen umfasst unter anderem psychosoziale Unterstützung, Präventionstraining und stadiengerechtes, regelmäßiges Training. In einer Forschungsdatenbank werden Krankheitsverläufe anonymisiert erfasst. Damit könnten Langzeitprozesse abgebildet werden, sagt Stefanie Auer. „Zum Beispiel, wie eine demenzielle Erkrankung verläuft, wie viele Jahre sie dauert oder in welchen Stadium sich die Betroffenen melden.“ Anhand der Datenbank lässt sich auch feststellen, dass Menschen mit sogenannter kognitiver Beeinträchtigung immer früher um Hilfe bitten und dass sie sich aktiv an die Servicestellen wenden. Das hängt auch mit der intensiven Öffentlichkeitsarbeit der „MAS Alzheimerhilfe“ zusammen, durch die vor allem eines erreicht werden soll: dass die Angst vor der Krankheit schwindet und Betroffene nicht stigmatisiert und entmutigt werden. Gedächtnistraining schon im frühen Stadium und ein gesunder Lebensstil würden dazu beitragen, dass der Ausbruch der Krankheit verzögert werden könne, so die Psychologin.
Vor vier Jahren erhielt Stefanie Auer die erste österreichische Professur für Demenzforschung an der Donau-Universität Krems. Doch sie vermisst in Österreich ein klares Bekenntnis zu Forschung und die dementsprechende Finanzierung. Demenz sei leider eine ernst zu nehmende Krankheit der kommenden Jahre. „Wir brauchen deshalb die Solidarität der Entscheidungsträger und der Gesellschaft.
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