Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin und leitet das Referat für Spiritualität im Pastoralamt der Erzdiözese Wien .
Rund zehn Millionen Armenier gibt es weltweit. Nur drei Millionen davon leben im Staat Armenien, der im Westen an die Türkei und im Südosten an den Iran grenzt. Sieben Millionen Armenier sind über die ganze Welt verstreut, wobei Russland mit 2,5 Millionen und die USA mit rund 1,5 Millionen die größten Auslandsgemeinden bilden.
Zahlenmäßig viel kleiner sind die armenischen Gemeinschaften in den Ländern des Nahen Ostens. Aber sie prägten einst deren Kultur und Wirtschaft und sind bis heute von der Türkei über Syrien, den Libanon und den Irak bis in den Iran präsent – wenn auch unter Druck, wie Bischof Armash Nalbandian bei der ICO-Tagung betont. Der Bischof von Damaskus – er hat das Amt seit 2006 inne – erklärt das am Beispiel seiner Heimat: „Syrien ist nicht Missionsgebiet, sondern Fundament des Christentums. Man braucht nur die Apostelgeschichte aufzuschlagen.“ Das Fundament ist aber durch und durch erschüttert: Nach dem Assad-Regime und dem Bürgerkrieg kam die islamistische Regierung seit Dezember 2024. „Wir Christen wollen keine Sonderrechte, sondern eine Verfassung, die auf der Gleichheit aller Bürger basiert. Religion darf dabei keine Rolle spielen“, beschreibt Bischof Armash Nalbandian den wichtigsten Schritt für eine gute Zukunft der Christen. Aber davon ist die neue syrische Verfassung weit entfernt, da sie die Scharia als ihre Quelle festschreibt.
Im syrischen Alltag herrscht Meinungsfreiheit, hält der Bischof positiv fest, aber die Kirchen haben den Kontakt zur Regierung verloren: „Wenn wir etwas fragen, antworten sie nicht. So haben wir uns eben zurückgezogen, aber das ist nicht gesund.“ Auch andere Minderheiten erleben das ähnlich: Neben der Regierung ist kein Platz für andere Gruppen. Der Bischof von Damaskus will das Feld aber nicht den muslimischen Extremisten überlassen und fordert unbedingt internationale Unterstützung. Diese könne etwas bewirken – das ist seine Botschaft an die ICO. „Die Uhr für die Christen in Syrien tickt“, analysiert er nüchtern.
Zum Foto: Der armenische Bischof Tiran Petrosyan (v. li.), der aktuell Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich ist, Bischof Armash Nalbandian aus Damaskus und der armenische Pfarrer Andreas Isakhanyan feierten mit den Teilnehmer:innen der ICO-Tagung eine armenische Vesper. Die Geistlichen sind auf ihre Liturgie stolz, da manche Texte auf das 5. Jahrhundert zurückgehen.

Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin und leitet das Referat für Spiritualität im Pastoralamt der Erzdiözese Wien .
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