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Falsche Frage, richtige Antwort

Kirche OÖ

In der Diözese Linz werden seit Jahren unterschiedliche  Leitungsmodelle in Pfarren verwirklicht. Die Wahl von Renate Bauinger zur Superintendentialkuratorin der Evangelischen Diözese Oberösterreich ist Anlass, nachzufragen: Wie macht das eigentlich die evangelische Kirche?
 

Ausgabe: 16/2021
20.04.2021
- Josef Wallner
© kiz/jw

Die Delegierten der 34 OÖ. evangelischen Pfarrgemeinden haben im März 2021 Renate Bauinger zur Superintendentialkuratorin gewählt. Sie folgt in diesem höchsten weltlichen Leitungsamt der Diözese auf Johannes Eichinger, der nach 15 Jahren das Amt auf eigenen Wunsch mit Juli 2021 zurücklegt. Gemeinsam mit Superintendent Gerold Lehner wird Bauinger – im Ehrenamt – dann die Leitung der evangelischen Diözese Oberösterreich übernehmen. Da liegt die Frage auf der Hand, wer in diesem Duo der Chef ist. „Das ist die falsche Frage“, betont Superintendent Lehner und verweist auf die Struktur der evangelischen Kirche, die von der Basis, der Pfarre her wächst. Nur aus dieser Perspektive ist die Kirche zu verstehen.

 

Von der Pfarre her

Eine evangelische Pfarre wird vom Presbyterium geleitet, in dem der Pfarrer/die Pfarrerin und der Kurator/die Kuratorin eine herausgehobene Stellung haben. Sie stehen dem Gremium vor und vertreten die Gemeinde nach außen. In der Praxis sehen die Zuständigkeiten zumeist so aus: Der Kurator ist für die Verwaltung zuständig, der Pfarrer für das Geistliche. Aber im Presbyterium haben beide, wie die anderen auch, eine Stimme und kein Vetorecht. Der Pfarrer kann aber einen Gewissensvorbehalt geltend machen: Er nimmt zum Beispiel eine bestimmte Handlung nicht vor, die Gemeinde holt dafür einen anderen Pfarrer. 
„Wo Themen weit auseinanderliegen, muss man sich eben zusammenraufen“, sagt Renate Bauinger. So liegt es etwa in der Verantwortung der Gemeinde, ob jetzt in Corona-Zeiten bei den Gottesdiensten das Abendmahl gefeiert oder ausgesetzt wird. Die OÖ. Pfarren haben durchaus unterschiedlich entschieden. Die Kompetenz der Gemeinde hat aber Grenzen, wo es um Lehrfragen oder um die Agenda für den Gottesdienst geht. In solchen Fällen wäre der Superintendentialausschuss gefragt, das das dem Presbyterium vergleichbare Gremium auf der Diözesanebene ist. Ihm gehören vier weltliche und vier geistliche Personen an – mit Renate Bauinger und Gerold Lehner an der Spitze. Gemeinsam vertreten sie auch auf der Österreich-Ebene im Kirchenpresbyterium die evangelische Diözese Linz. 

 

Aufgabenteilung

Bezüglich der Aufgabenteilung ist es ähnlich wie in der Pfarre. Die geistlichen Agenden wie Segnungen gehören in den Bereich von Superintendent Lehner, weltliche Agenden tendenziell zu Superintendentialkuratorin Bauinger und vieles machen sie gemeinsam. Gemeinsam versteht Bauinger sich mit dem Superintendent vor allem als Ansprechpartnerin für die Anliegen der Gemeinden. „Oft ist es so, dass für weltliche Personen die Superintendentialkuratorin die erste Ansprechadresse ist, für geistliche Personen der Superintendent“, ergänzt Lehner, der unterstreicht, dass der Superintendent nicht eine Art Vorstandsvorsitzender der evangelischen Kirche Oberösterreichs ist. Gemeinsam gilt es, Wege für ein aus dem Glauben gespeistes Leben zu gehen und immer neu zu finden. Renate Bauinger denkt hier besonders an die Kinder- und Jugendarbeit und die Stärkung des Ehrenamts. Gerold Lehner treibt die Frage um, welche Folgen die Corona-Pandemie zeitigen wird. 

 

Ökumene hat Tradition

Die Offenheit für die Ökumene hat seit Jahrzehnten einen festen Platz in der evangelischen  Kirche Oberösterreichs. So halten es auch Lehner und Bauinger, die an der Pädagogischen Hochschule der katholischen Diözese Linz am Institut für Religionspädagogik tätig ist. Ökumene ist für sie Alltag. Sie war sogar längere Zeit für das Ewige Licht und das Weihwasser in der Hochschulkapelle zuständig, erzählt sie schmunzelnd. Im Blick auf weltweite ökumenische Meilensteine fragt sich der Superintendent, was von all den Bemühungen geblieben ist: „Wir müssen trotz allem den Weg der Ökumene weitergehen.“ – „Und dürfen auf die nicht vergessen, die ohne Konfession sind“, betont Bauinger. An Arbeit wird es dem Leitungsduo nicht fehlen. «

 

 

Bild: Superintendentialkuratorin Renate Bauinger und Superintendent Gerold Lehner (nur für das Foto ohne Maske). Das lateinische Wort „Superintendent“ heißt „Aufseher“ (vom griechischen „Episkopos - Bischof“) und bezeichnet Inhaber eines Leitungsamtes in evangelischen Kirchen.  

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