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Berufswechsel: vom Bischof zum Krankenpfleger

Vor 100 Jahren – am 5. März 1915 – verstarb 56-jährig Diözesanbischof Rudolph Hittmair. Er hatte sich beim Besuch des Kriegsgefangenenlagers Mauthausen mit Flecktyphus infiziert.
Ausgabe: 2015/10, Hittmair
03.03.2015
- Josef Wallner
Selbst Menschen, die ihm nahestanden wie sein Sekretär Wenzel Grosam, konnten sich nicht wirklich einen Reim auf die Persönlichkeit von Rudolph Hittmair machen. „Bischof Hittmair blieb vielen ein Rätsel“, gibt Grosam kurz nach dem Tod seines Chefs zu Protokoll. Er hatte zwei Seiten: Er war gebildet, weit gereist und weltoffen, als Domprediger zog er die Leute an und als Erzieher von sozial vernachlässigten Kindern setzte er Maßstäbe, die österreichweit Beachtung fanden. Andererseits ­schwankte er im persönlichen Umgang zwischen Liebenswürdigkeit und schroffer Ablehnung. Am 17. März 1909 wurde der Theologieprofessor und Regens des Priesterseminars Rudolph Hittmair von Kaiser Franz Joseph zum Bischof von Linz ernannt. Der neue Linzer Oberhirte nahm sich dem ausdrücklichen Auftrag des Papstes entsprechend um den Weiterbau des Mariendoms an, dessen Grundstein bereits 1862 gelegt worden war. Er beschaffte das Geld für 41 Domfenster. Wie aus dem „Weltkriegsehrenbuch des Kronlandes Oesterreich ob der Enns“ aus dem Jahr 1917 hervorgeht, hatte Hittmair schon 1910 angeordnet, das bischöfliche Knabenseminar Petrinum im Kriegsfall als Militärspital zur Verfügung zu stellen, ebenso Teile des Priesterseminars. Zu Kriegsbeginn am 29. Juli 1914 erließ er ­einen Hirtenbrief, der in drei Mahnungen gipfelt: beten, entsagen, spenden. Hittmair übergab mit 1. August 1914 seine Agenden als Bischof an Balthasar Scherndl, den er zu seinem Generalvikar machte. Der Bischof selbst widmete sich als Krankenpfleger den Kriegsverwundeten im Spital der Barmherzigen Brüder in Linz. Als Hittmair von der schrecklichen Flecktyphusepidemie im Gefangenenlager Mauthausen erfuhr, besuchte er das Lager, wobei er sich ansteckte und am 5. März 1915 starb. Die einen würdigten seinen Tod als „Priesteropfer im Dienst der Nächstenliebe“, ein hochgestellter Kleriker der Diözese meinte hingegen, dass der Bischof bald ein Fall fürs „Sanatorium“ geworden wäre.  Weitere Informationen über Bischof Hittmair finden sich in „Lin­-
zer Diözesangeschichte 1909–1918“.
Der Band 20 des NAGDL ­er­­scheint in wenigen Wochen. 
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