Wie plakativ darf und wie fundiert muss der Einsatz für das ungeborene Leben sein? Im Gespräch Mag.a Ursula Schmidinger von der Katholischen Jugend und Jugend für das Leben-Aktivist Johannes M. Schwarz.
Wofür stehen ihre Bewegungen?
Schwarz: Jugend für das Leben steht für junge engagierte Menschen, die sich zum Ziel gesetzt haben in einem Bereich, in dem unserer Meinung nach sehr wenig getan wird, zu handeln: nämlich im Bereich umfassender Schutz des Lebens. Wir sind in Oberös-terreich ein Gruppe von ca. zwanzig Jugendlichen im Alter von 15 bis 25 Jahren, die von vielen Sympathisanten in konkreten Aktionen unterstützt werden.
Schmidinger: Die Katholische Jugend OÖ ist Hauptträgerin in der kirchlichen Jugendarbeit in der Diözese Linz. Wir sind vom Bischof dazu beauftragt. Ausgehend von der Lebensrealität der jungen Menschen ist die KJ bemüht, den Jugendlichen einen lebendigen und tragenden Glauben zu vermitteln. Hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen begleiten in OÖ kontinuierlich rund 15.000 Jugendliche.
Warum gab oder gibt es Spannungen zwischen beiden Jugendorganisationen?
Schwarz: Vorne weg, man kann Jugend für das Leben mit der Katholischen Jugend schwer vergleichen. Wir haben uns einzig den umfassenden Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod zum Thema gewählt und wir haben kein Problem mit Gruppen, die anderes machen. Die Grundlage unserer Arbeit ist das päpstliche Rundschreiben Evangelium Vitae.
Warum gab es dann bisher keine Zusammenarbeit?
Schmidinger: In unserer Jugendarbeit ist das Thema Lebensschutz eingebettet in die gesamte Tätigkeit und ist nicht isoliert ein Thema. Bei uns arbeitet die Jugendbeauftragte der Aktion Leben. Uns ist Beziehungs-, Bildungs- und fundierte Grundlagenarbeit wichtig, die nicht im Aktionismus stehen bleibt. Die Methoden von Jugend für das Leben bezeichne ich in diesem Zusammenhang als unsensible Methoden. Ich finde es nicht o.k. vor Abtreibungskliniken zu demonstrieren und damit Frauen noch mehr in Bedrängnis zu bringen, die schon in einer Notsituation sind. Es geht einfach um eine sehr differenzierte Auseinandersetzung mit den Betroffenen – ohne Abtreibung gutzuheißen.
Wie sieht Jugend für das Leben ihre Methoden ?
Schwarz: Vor allem gehen wir in Schulen, um Vorträge zu halten und das kommt sehr gut an. Darüber hinaus machen wir öffentlichkeitswirksame Aktionen wie kürzlich die Aktion Eva. Das und die Pro Life Märsche, die wir von 1997 bis 1999 durchgeführt haben, haben seit der Fristenlösung zur größten Abtreibungsdebatte geführt, in der auch wieder konkrete gesetzliche Verbesserungen diskutiert wurden.
Wie hilft Jugend für das Leben schwangeren Frauen in Not?
Schwarz: Wir versuchen konkret nach unseren Möglichkeiten zu helfen, oder wo dies unsere Kompetenz übersteigt, zu vermitteln, zum Beispiel an die Caritas, nicht aber an die Aktion Leben. In deren Broschüren finden sich Inhalte, die nicht auf der Grundlage von Evangelium Vitae stehen.
Schmidinger: Wir arbeiten fachlich mit der Aktion Leben zusammen und mit anderen Hilfseinrichtungen über die Kirche hinaus. So ist auch unter Mithilfe der Katholischen Jugend die Beratungsstelle Zoe entstanden, eine Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Schwangerschaft: angefangen von der vorgeburtlichen Diagnostik bis hin zum unerfüllten Kinderwunsch.
Hintergrund:
Abtreibung
Mit der „Aktion Eva“ machte die Gruppe Jugend für das Leben in Linz von 21. bis 28. Juli auf die unantastbare Würde des ungeborenen Lebens aufmerksam. Die Jugend-lichen wiesen durch Plakate und im Gespräch mit Passanten auf den umfassenden Schutz des Lebens hin. Höhepunkt der Aktionswoche waren ein Gottesdienst, eine Pro Life Diashow und eine Anbetungsstunde in der Basilika am Pöstlingberg. Die Abschlussveranstaltung gestalteten auch Paddy und Maite Kelly mit Da die Berichterstattung der Kirchenzeitung über die Aktion Eva sowohl bei Jugend für das Leben als auch bei der Katholischen Jugend Oberösterreich heftige Reaktionen hervorrief, bat die Redaktion der KIZ beide Gruppen an den „runden Tisch“. Das hier wiedergebene Gespräch ist nur ein Teil einer langen Debatte. Mehr darüber finden Sie ab Dienstag im Internet.