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Heiliges Land: Nächstes Weihnachten ist Frieden

Gebet um ein echtes Wunder
Ausgabe: 2001/34, Wunder, Heiliges Land, Jerusalem, Frieden, Orthodoxe, Krieg,
21.08.2001
- Walter Achleitner
„Hört auf, die Palästinenser – Christen oder Muslime – als Terroristen zu betrachten oder als Menschen, die hassen und töten.“ Diesen Appell richtet der römisch-katholische Patriarch von Jerusalem, Michel Assad Sabbah, in seinem jüngsten Hirtenbrief an die internationale Öffentlichkeit. Die Lage in den besetzten Gebieten ist sehr kritisch. Arbeitslosigkeit, triste Kindheit, Blutvergießen...

Täglich wird in diesen Wochen in Jerusalem in einer der 13 christlichen Kirchen um 18 Uhr um den Frieden gebetet. Das Motto: „Nächstes Weihnachten ist Frieden.“ – „Wir brauchen ein echtes Wunder, und dafür wollen wir beten“, sagt einer der Vertreter der christlichen Kirchen, Raed Abusahlia. Das Jerusalemer Gebet soll weltweit mitgetragen werden. Israelische Friedensgruppen unterstützen ebenfalls die Aktivitäten. Bischof Riah Abu El-Assal erinnert: Jesus hat die Friedensstifter selig gepriesen, nicht die Friedensverhandler.

Kirchen verstärken gemeinsames Vorgehen im Heiligen Land

Täglich um 18 Uhr beten in Jerusalem die Christen um Frieden. Weitere Aktionen werden vorbereitet. Ihr Motto lautet: „Nächstes Weihnachten in Frieden“.

„Nur mit Gottes Beistand und seinem Licht werden wir zum Frieden finden im Heiligen Land.“ Davon ist Raed Abusahlia vom lateinischen Patriarchat in Jerusalem überzeugt. Deswegen haben vergangene Woche die 13 Kirchen in der Stadt des Friedens mit einem ökumenischen Friedensgebet begonnen. Täglich um 18 Uhr (in Österreich ist das 17 Uhr) treffen sie sich abwechselnd in einem orthodoxen, katholischen oder protestantischen Gotteshaus. Raed Abusahlia: „Wir brauchen ein echtes Wunder, und dafür wollen wir beten!“

Weltweites Echo

Gemeinsam rufen alle Kirchen Jerusalems dazu auf, das Gebet weltweit zu unterstützen. Denn, so heißt es wörtlich: „Wir sind zutiefst besorgt über die Verschlimmerung der Lage im Heiligen Land, besonders in den besetzten Gebieten: viele Familien wurden obdachlos gemacht; die Abriegelung hat Städte zu Internierungslagern gemacht; die Zahl der Arbeitslosen ist dramatisch gestiegen, was zu Hunger nach dem täglichen Brot bei Zehntausenden geführt hat; Kinder sind mit dem täglichen Anblick von Blutvergießen, Gewalt und Mord konfrontiert. Hass und das Bedürfnis nach Rache grassiert auf beiden Seiten.“

Bald nach dem Aufruf hat Raed Abusahlia aus aller Welt die Versprechen erhalten, dass sich Menschen dem Gebet anschließen. Für einen der engsten Mitarbeiter von Patriarch Sabbah „ist das ein Zeichen der Solidarität, die wir in diesen schweren Tagen erfahren.“

Doch mit dem bisher letzten geplanten Gebet im katholischen Notre-Dame-Center am 28. August werden die ökumenischen Anstrengungen nicht enden. Weitere Aktionen sind in Vorbereitung. Das Ziel der Initiativen lautet: „Nächstes Weihnachten in Frieden“, meint Raed Abusahlia. Denn am 6. und 7. August haben in Genf 50 hochrangige Vertreter/-innen der Kirchen über weitere Maßnahmen beraten. Mit am Tisch auch Mitglieder mehrerer israelischer Friedensgruppen. „Dankt Gott, dass Jesus gesagt hat: ,Gesegnet sind die Friedensstifter.‘ Er hat nicht gesagt ,Gesegnet sind die Friedensverhandler‘“, meinte bereits zu Beginn der Tagung Bischof Riah Abu El-Assal.

Lebende Schutzschilde

Schwierig ist auf jeden Fall die ökumenische Unterstützung für einen Frieden, der auf Gerechtigkeit und Sicherheit für das palästinensische und das israelische Volk basiert. Pfarrer Paul Lansu vom internationalen Sekretariat der katholischen Friedensbewegung „Pax Christi“: „Wir fordern neuerlich internationale Schutztruppen. Aber gleichzeitig sollen auch ökumenische Teams in die besetzten Gebiete gehen, um mit den Palästinensern mitzuleben.“ In den Niederlanden werden die ersten Teams bereits vorbereitet. Im September sollen sie starten. Weltweit will „Pax Christi“ diese ökumenische Initiative mitorganisieren.




Hintergrund:


Orthodoxe durften wählen

Irinaios I. Diesen Namen hat Emmanuel Skopelitis (62) angenommen, nachdem er am 13. August zum neuen griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem gewählt worden ist. Er tritt die Nachfolge von Diodoros I. an, der im Dezember gestorben war. Irinaios wurde auf der griechischen Insel Samos geboren und war seit 1981 Metropolit von Hierapolis. Er lebte zuletzt in Athen.
Israel hat die Wahl akzeptiert, nachdem es zuvor einen wochenlangen Streit um die Liste der Kandidaten gab. Mehrere Namen, darunter auch der des Gewählten, galten für die Regierung Ariel Sharons als „unakzeptabel“. Vor zwei Wochen lenkte Israel nach internationalem Protest ein. Rabbi David Rosen, bekannt für sein Engagement im interreligiösen Dialog, nannte „das Ergebnis der Wahl als eine schwere Enttäuschung für die israelische Regierung. Irinaios ist bekannt als weniger zugänglich für die Interessen Israels.“

In Grußbotschaften an Jordaniens König Abdallah und Palästinenser-Präsident Yassir Arafat betont Irinaios I., dass er der „gerechten Sache des palästinensischen Volkes“ dienen wolle. Die meisten der rund 150.000 Gläubigen des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Jerusalem sind Palästinenser. Die Wahl fand in der Grabeskirche statt. Von den 50 Wahlmännern – Laien, Priester, Bischöfe – wurden zunächst aus der 15 Namen umfassenden Wahlliste drei ausgewählt. Die 17 Mitglieder des Heiligen Synods wählten unter diesen den Patriarchen.
Die Position des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem ist bedeutungsvoll, weil er die ungebrochene Tradition der Kirche von Jerusalem als „Mutter aller Kirchen“ repräsentiert.
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