Ene mene muh und raus bist du! Das Boot ist voll. Sozialschmarotzer oder: nur ein fleißiger Österreicher ist ein guter Österreicher. Homosexualität ist eine Krankheit. All diese einfachen und plakativen Aussagen, sie könnten beliebig erweitert werden, weisen dasselbe Grundmuster auf. Es gibt ein Drinnen und ein Draußen, eine Wir-Gruppe und die Anderen. Damit verbunden sind weitere Gegensatzpaare, von denen ein Pol besser ist als der andere. In der Logik dieses Schemas identifiziert sich die Wir-Gruppe mit dem positiven Pol: sie ist gut – nicht böse; fleißig – nicht faul; ehrlich, anständig, mutig – nicht unehrlich, unanständig oder feig . . . Zwei Gruppen entstehen, von denen eine besser ist als die andere.
Die Zuteilung zu einer dieser Gruppen geschieht aufgrund von Kriterien, die meist von der Wir-Gruppe definiert werden. Beim Abzählreim ist die Länge des Reimes ausschlaggebend. Für Ausländer/-innen gleicht Österreich einer Festung, die nur durch eine enge Türe zu betreten ist, die da heißt: fachliche Qualifikation, notwendiger Beitrag zur Wohlstandserhaltung, Anpassung an den österreichischen Geruchs- und Geschmackssinn. Sozialschmarotzer sind anders im Blick auf die erwartete Leistung und Homosexuelle wegen ihrer sexuellen Neigungen . . . Wer nicht entspricht bzw. funktioniert, wird hinausgeworfen.
Diese Struktur begegnet uns auch im Evangelium. Drinnen – das ist das Reich Gottes, in dem die Erzväter, die Propheten und viele aus den Völkern Mahl halten. Die vor Gott Gerechten erfahren Glück, Heil und Zufriedenheit. Eine große Anzahl ist durch die zu Beginn des Evangeliums als eng beschriebene Türe gekommen. Draußen – ein Bild der Kälte: Zähneknirschen und Heulen ist zu hören, keine Musik, keine Sattheit, kein Tisch voll erlesener Speisen.
Doch wer sind die da draußen? Zweimal rufen sie den Hausherrn um Eintritt an und zweimal entgegnet er, dass er nicht weiß, woher sie sind. Schließlich schickt er sie weg, denn sie haben Unrecht getan. Hier wird die Eintrittskarte zum Reich Gottes deutlich. Es gilt Recht zu tun, nicht nur zu hören und dabei zu sein, denn nur im Handeln erweist sich die Zugehörigkeit und werden Menschen erkennbar. Nicht ihre Worte, ihr Handeln macht sichtbar, auf wessen Seite sie stehen, ob sie biblisch gesehen gerecht oder ungerecht sind. Gerechtigkeit erweist sich in einer befreienden und den Gott Israels anerkennenden Praxis (z. B. Festhalten an dem einen Gott, Einhaltung des Sabbatgebots, keine Ausbeutung der Fremden oder Unterdrückung von Schwächeren, Wucherverbot, Ehrlichkeit). Eine Kurzfassung liegt in der Gottes- und Nächstenliebe vor.
Christina Spaller arbeitet als Religionslehrerin und lebt in Linz.