Ab 1. Jänner 2002 sind Euro- Münzen und Euro-Scheine in zwölf EU-Ländern Zahlungsmittel. Zwei Monate später – ab 1. März 2002 – kann der Schilling nur noch in der Bank gegen Euro eingetauscht werden, im Geschäft wird er nicht mehr entgegengenommen.
Die Währungsumstellung kommt in Riesenschritten auf uns zu. Der Obmann der Sektion Bank und Versicherung in der oö Wirtschaftskammer, Raiffeisen-Generaldirektor Dr. Ludwig Scharinger, sieht keinen Grund für Hektik oder Ängstlichkeit. Die Betriebe und Unternehmen sind gut vorbereitet.
Keine Probleme
Die Umstellung auf die einheitliche Euro-Währung könnte da und dort kleine Geschäftsleute veranlassen aufzugeben, weil sie sich das nicht mehr antun wollen und keinen Übernehmer haben. So konnte man es dieser Tage lesen. Scharinger wie auch der Obmann der Sektion Handel, KommR Franz Penz, können sich das aber nicht vorstellen. „Wir haben Aufgaben zu erledigen, aber Probleme gibt es keine“, sagt Kommerzialrat Penz. Vorstellbar ist für Penz allerdings, dass mancher Kleinstbetrieb durch die notwendigen Investitionen verhältnismäßig starken Kostenbelas-tungen ausgesetzt ist. „Das höre ich das erste Mal“, nimmt Scharinger zur Meldung Stellung, dass manche wegen der Euro-Umstellung ans Aufgeben dächten. Viele Kunden werden in Zukunft mit Karten ausgestattet sein. Die Banken informieren ihre Kunden über Folders. Zudem wird jede Gelegenheit genützt, in Vorträgen zu informieren.
Schwarzgeld: Keine Angst
Muss man sich vor Fälschungen fürchten? Dr. Scharinger weist auf die hohen Sicherheitsstandards des Euro hin. Die Gefahr ist sehr gering. Aber es könnten Falschmünzer und „Blüten“-Hersteller ihre alte „Ware“ noch rasch versuchen, an die Leute zu bringen. So könnten in den letzten Monaten der alten Währung vermehrt Fälschungen auftauchen. So gelassen die Wirtschaft – Handel wie Banken – der kommenden Währungswende entgegensehen, so sehr schwitzen derzeit die Hersteller und Händler von Geldautomaten. Alles rechtzeitig umzustellen und auf die Geld-Vielfalt der wegen der länder-unterschiedlichen Kehrseiten von Münzen und Scheinen abzustimmen, lässt die Leute mit Hochdruck arbeiten.
Die Blinden tasten das Geld
Noch eine weitere Gruppe ist von der Euro-Umstellung besonders betroffen: die blinden Menschen. Monika Aufreiter, blinde Telefonistin im Pastoralamt, steht der Euro-Umstellung aber doch gelassen gegenüber. Der Verband der Blinden und Sehbehinderten in Österreich hat die Betroffenen schon sehr gut mit Unterlagen versorgt. Dennoch wird es anfangs schwierig sein, sich bei all den neuen Währungen gleich zurecht zu finden. Den Wert der verschiedenen Geldscheine richtig zu greifen, ist leichter, wenn die Scheine schon ein wenig abgegriffen sind. Österreichs letzte 500er- und 1000er-Scheine machten es den blinden Menschen schwer, denn sie unterschieden sich in der Höhe nicht. Beim Euro ist dies besser. Es hat geholfen, dass die blinden Menschen europaweit dafür eingetreten sind. In der europäischen Einheit ist halt manches für Minderheiten leichter durchzusetzen.
Hintergrund:
Der Euro-Fahrplan
Ab September 2001 liegen die Informationen über das endgültige Aussehen der Euro-Banknoten vor. Ab 1. Oktober 2001 gibt es Euro-Briefmarken. Diese können aber erst ab 1. Jänner 2002 zum Frankieren verwendet werden. Bis 30. Juni 2002 sind auch Schilling-Briefmarken gültig. Ab 15. Dezember erhalten die Konsumenten über die Banken Startpakete, ein kleines Sortiment an Münzen gegen Zahlung von S 200,–. Ab 1. Jänner 2002 gibt es Euro-Bargeld für alle. Der Euro wird gängiges Wechselgeld (also auch auf Schilling herausgegeben). Über Geldausgabe-Automaten sind 10 Euro- und 100 Euro-Banknoten erhältlich.Schilling-Bargeld kann im Jänner und Februar 2002 bei den Banken und Postämtern umgetauscht oder auf das Konto eingezahlt werden. Bis 28. Februar 2002 kann überall auch mit Schiling, ab 1. März 2002 nur noch mit Euro bezahlt werden. Schilling-Bargeld wird ab diesem Zeitpunkt nur noch bei der Nationalbank (Münzen bei der Münze Österreich AG) umgetauscht.