Am 1. September sind die christlichen Gemeinden aller Glaubensgemeinschaften eingeladen, den „Tag der Schöpfung“ zu begehen. Die Wissenschaft hat mit der Gentechnik in den letzten Jahren neue Möglichkeiten im Pflanzenbau beschritten. Einerseits eröffnet sie damit eine Perspektive, wie die Welternährung auch bei einer Zunahme der Erdbevölkerung möglich werden könnte, andererseits sind die Folgewirkungen dieser Technik nicht restlos geklärt. In Österreich wurde die Problematik im heurigen Sommer durch den illegalen Genmais-Anbau bewusst.
Der Schöpfungstag sollte ein Impuls sein: Zwischen notwendiger Erforschung neuer Wege und dem ebenso notwendigen Schutz vor Gefahren, gilt es den tauglichen Weg zu finden. Die Menschen haben dabei vor allem ein Recht auf offene Information. Das Schöpfungsthema sollte im Herbst in diesem Sinne auch in Pfarrsälen und Kirchen zur Sprache kommen.
Ein US-Konzern lieferte genverseuchtes Saatgut
In Österreich ist Gentechnik auf den Feldern verboten – aber nicht ganz
In Österreich ist der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen verboten. Deshalb wurden seit Juli tausend Hektar Mais eingeackert. Gentechnikfrei sind die Maisfelder trotzdem nicht. Ende vergangener Woche lief die Frist für die Bauern ab. Bis dahin konnten sie melden, ob sie Saatgut gekauft hatten, das mit Gentech-Mais der Sorte BT11 verunreinigt war. Nach einem Bescheid von Gesundheitsminister Haupt sind Felder, auf denen diese Sorten angebaut wurden, einzuackern. Die Bauern erhalten dafür eine Entschädigung vom Gesundheitsministerium, das sich das Geld vom Verursacher, dem amerkanischen Saatgutkonzern Pioneer, zurückholen will.
Blühender Genmais
Für die Umweltorganisation Greenpeace ist die Sache damit nicht erledigt. Sie wirft Minister Herbert Haupt vor, die Verunreinigung von Saatgut mit Genmais nicht ernst genommen zu haben. Bereits am 2. Mai hat Greenpeace Messergebnisse veröffentlicht, wonach Saatgut der Pioneer-Sorte PR39D81 mit Gentech-Mais verunreinigt ist. Am 28. Mai informierte die Saatgutbehörde des Landwirtschaftsministeriums Minister Haupt über „signifikante“ Verunreinigungen von 74 Tonnen konventionellen Saatgutes. Erst am 9. Juli erließ Haupt einen Bescheid gegen Pioneer. Die Firma wird verpflichtet, verunreinigte Partien der Saatgutsorten Monalisa und PR39D81 zurückzuziehen. Da zu diesem Zeitpunkt das meiste Saatgut bereits angepflanzt ist, wird auch die Beseitigung der betroffenen Maisfelder verfügt.
Greenpeace kritisiert am Vorgehen von Minister Haupt zweierlei: das langsame Handeln und die Tatsache, dass nur jenes Saatgut „entsorgt“ werden musste, das mit Gentech-Mais verunreinigt war, der in der EU nicht zugelassen ist. So wachsen und blühen derzeit etwa 6000 Hektar Mais, dessen Saatgut zwischen 0,1 und 0,5 Prozent des in der EU erlaubten Genmaises MON810 enthielt. Greenpeace spricht von glattem Gesetzesbruch und erstattete Anzeige gegen Minister Haupt. Sein Pressesprecher, Gerhard Gros, weist die Vorwürfe zurück: „Sobald wir eine gesetzliche Handhabe hatten, wurde der Bescheid gegen Pioneer erlassen. Bei den Sorten, die mit in der EU erlaubtem Genmais verunreinigt waren, wäre eine Gesundheitsgefährdung äußerst schwer nachzuweisen gewesen.“ Greenpeace kontert: Gerade weil nicht restlos geklärt ist, wie genetische Veränderungen auf die Gesundheit von Tier und Mensch wirken, konnte Österreich den Anbau aller Gentech-Pflanzen überhaupt erst verbieten.
Insgesamt stellte das Bundesamt für Landwirtschaft die Verunreinigung von ca. 200 Tonnen Maissaatgut fest. Die Untersuchungen wurden im Rahmen eines EU-weiten Programmes durchgeführt. „Die Problematik der Verunreinigung von konventionellem Saatgut mit Gentech-Produkten stellt sich in Österreich besonders scharf, weil wir ein generelles Anbauverbot haben, sie stellt sich aber auch in der EU“, betont Gerhard Popp vom Landwirtschaftsministerium.
Umstrittene Toleranz
Derzeit gibt es in Österreich und in der EU eine Diskussion, ähnlich wie bei Lebens- und Futtermitteln auch bei Saatgut eine Toleranzgrenze für Verunreinigungen einzuführen. Dass man damit der Gentechnik auf den Feldern die Tür öffnet, glaubt Popp nicht. „Besser wir haben niedrige, exakt messbare Grenzwerte, die rechtlich auch durchsetzbar sind, als ein wirklichkeitsfremdes Dogma. Auch bei technischen Stoffen der Sonderklasse gibt es eine Toleranzangabe.“ Haupt schlägt eine Verunreinigungstoleranz von 0,1 Prozent (mit in der EU nicht zugelassenen Sorten) und 0,5 Prozent (mit EU- Sorten) vor. Greenpeace fordert eine Null-Toleranz, wie sie österreichisches Saatgut aufweist.
Zur Sache:
1. September: Schöpfungstag
Am 1. September wird in vielen christlichen Kirchen ein „Schöpfungstag“ begangen. Ausgegangen ist die Initiative von Patriarch Dimitros. 1989 hat er anlässlich der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Basel in der Kirche von Konstantinopel einen „Schöpfungstag“ eingeführt. Bei der Ökumenischen Versammlung in Graz wurde die Aufnahme eines „Schöpfungstages“ in das Kirchenjahr in den konkreten Handlungsanleitungen empfohlen.
In Österreich lädt die ARGE Schöpfungsverantwortung seit 1996 zur Feier des Schöpfungstages am 1. September ein. ARGE-Sprecherin Isolde Schönstein bedauert, dass sich die Österreichische Bischofskonferenz dieser Initiative, die auch vom Europäischen Christlichen Umweltnetzwerk mitgetragen wird, bisher noch nicht angeschlossen hat. „Für alle zentralen Aussagen des Glaubensbekenntnisses haben wir Festtage, nur für Gott, den Schöpfer, und unsere Verantworung seiner Welt gegenüber haben wir keinen Gedenktag. Das ist für mich vom Glauben her, aber auch angesichts des ökologischen Zustandes unserer Erde unverständlich“, meint Isolde Schönstein.
Anlässlich der aktuellen Diskussion um gentechnisch verunreinigtes Saatgut fordert Schönstein eine harte Linie. „1,2 Millionen Österreicher haben das Gentechnikvolksbegehren, das die ARGE massiv unterstützt hat, unterschrieben. Ein Ergebnis war, dass in Österreich keine gentechnisch manipulierten Pflanzen ausgesetzt werden. Das soll auch nicht über die Hintertür geschehen. Gentechnik in der Landwirtschaft nütze niemandem außer dem Profit einiger Multis.“