Kein Zweifel, ohne Rangordnung geht es nicht. Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn jemand oben ist und andere unten. Keine Firma, kein Verein, kein Staat würde funktionieren ohne dieses Muster. Sonst gäb’s das Chaos. Wachse oder weiche! Strebe nach oben, oder du fällst zurück. Ja klar, gut ist es, wenn jeder zumindest die Möglichkeit hat, nach oben zu kommen. Die Startplätze ins Leben sind unterschiedlich, aber eine offene Gesellschaft ermöglicht es – theoretisch - allen, nach oben zu kommen.
Oben und unten. Aber selbst wenn für jeden ein Aufstieg möglich wäre, bleibt es doch bei der Stufenleiter, es gibt eben ein Oben und ein Unten. Und wer dann oben ist, ist letztlich egal, eigentlich austauschbar. Wer immer sich verbessern kann, der wird es tun. Das ist der herrschende Lebenskampf, der „struggle of life“. Jeder versucht es sich so gut einzurichten wie möglich, oder etwa nicht? König sticht Bube, so ist das Leben aufgebaut. Das Spiel ist immer das gleiche. Nein?
Nun, ich finde auch, das kann uns nicht genügen! So lange es Ausgebeutete und Entrechtete gibt, tröstet auch kein schöner Augenblick. Glück ist nur dann wirklich Glück, wenn es für alle gilt. Alles andere ist Betrug! Aber die großen Gesellschaftsentwürfe von der Freiheit und Gleichheit aller Menschen, von der Abschaffung der Klassenunterschiede, in denen kein Unterschied mehr zwischen Arm und Reich, zwischen Mann und Frau, zwischen Sklaven und Herren sei, die sind allesamt gescheitert. Im Blut ertrunken. Da wird es wohl was Neues brauchen, nicht wahr?
Und selbst dann: man kann es drehen und wenden wie man will: wenn es keinen Gott gibt, der einen gerechten Ausgleich schafft – auf welche komplexe unbegreifbare Weise auch immer –, dann haben die Unterdrücker und Peiniger das letzte Wort, niemand zieht sie zur Rechenschaft. Im Gegenteil, dann ist es ja sinnvoll, sich möglichst zu bereichern. Jetzt, so schnell wie möglich. Auf Kosten der anderen. Denn alles andere ist nur dumm. Dann sind die Beraubten nicht nur beraubt, sondern sogar im Unrecht. Die Kinder des Südens, verschleudert, fürs ganze Leben verunstaltet, sie bleiben unstillbar ungetröstet. Pech gehabt. Blödes Schicksal. Da kann man halt nichts machen. Das Leben ist hart und ungerecht. Drum schau, dass du es dir beizeiten richtest. Koste es, was es wolle.
Das ist wirklich nicht akzeptabel. Es ist an der Zeit, dagegen die Erhabenheit und Allmacht Gottes wiederzuerkennen. Er ist der Gastgeber. Der Gastgeber des Lebens wird korrigieren, was falsch gelaufen ist. Das ist unsere Hoffnung. Das erst lässt uns leben.
Herbert Schustereder ist Mit-arbeiter der Caritas der Diözese Linz.