Ausgabe: 2001/35, Ägypten, Jugendlager, Caritas, Kinder
28.08.2001
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Am 28. August ist das dritte Jugendlager der Caritas in Alexandria zu Ende gegangen.
Jalila sitzt am Strand von Alexandria und lächelt. Für die Neunjährige ist das nicht selbstverständlich. Denn seit sie durch eine Kinderlähmung schwer gehbehindert ist, antwortet sie auf die Frage „Bist du müde?“ nur mit einem tapferen: „Ich bin immer müde.“ Dass sie nun lächelt, ist ein Erfolg der liebevollen Betreuung im Internationalen Jugendlager, das heuer bereits zum dritten Mal durchgeführt wurde. 85 Kinder aus Ägypten, Syrien, dem Libanon und aus palästinensischen Lagern im Libanon erlebten hier erholsame Tage. Erstmals nahmen daran auch Kinder aus Jordanien teil. Die bunte Gruppe war ein Spiegel religiöser Vielfalt – zehn christliche Kirchen sowie Sunniten und Schiiten lebten unter einem Dach. Und während sich die Kinder auf Arabisch unterhalten, verständigten sich die Erwachsenen, unter ihnen Initiator und Leiter, der Nahost-Referent der Caritas Österreich, Stefan Maier, in mehreren Sprachen.
Jalila aus Syrien lächelt und meint nur, es gehe ihr nicht gut, sondern sehr gut. Vielleicht liegt es auch daran, dass gerade eine wohlhabende Dame aus Alexandria am Strand erschienen ist, und für alle Essen bringen ließ, lauter Köstlichkeiten wie gefüllte Weinblätter oder Fleischbällchen in pikanter Soße.
Zum Abschied: Inschallah
Natürlich plagt manche/n das Heimweh. Die kleine Palästinenserin Evelyn scheint untröstlich, niemand schafft es, ihr Schluchzen zu stoppen. Da rafft sie sich auf, geht zur Tafel, auf der mit Kreide Punkte einer Diskussion zusammengefasst sind, packt ein Tuch und wischt die Hälfte ab. Ein Aufschrei begleitet die Aktion, aber Evelyn dreht sich nur mit einem triumphierenden Lächeln um: Seht her, ich habe auch etwas Macht. Von da an weinte sie nicht mehr. Drei Wochen waren die acht- bis 14-jährigen Waisenkinder zusammen, haben Erfahrungen ausgetauscht, Neues kennen gelernt, und werden sich, wenn möglich – Inschallah, im nächsten Jahr oder so wiedersehen.
Besonders das Gastland Ägypten hat viel zum Gelingen dieses einzigartigen Jugendlagers beigetragen. Transport, Unterbringung und Verpflegung für so viele auf die Beine zu stellen, ist oft ein Balanceakt zwischen Improvisation, Genialität und dem Möglichen, aber es gelingt – meist! Ein Land, das sich trotz der Bandbreite von Altertum bis zur Moderne ein ungläubiges Staunen bewahrt hat, wie angesichts eines Aufzuges: „Machmud hat auf den Knopf gedrückt, und das fünfte Stockwerk ist zu ihm heruntergekommen.“