Die St. Florianer Sängerknaben haben eine lange Tradition
Ausgabe: 2001/35, Musik, St. Florian, Sängerknaben, Internat, Konzert,
28.08.2001
- Donata Stockhammer
70 Auftritte absolvieren die St. Florianer Sängerknaben im Jahr, und das in aller Welt. Trotzdem kommen Spiel und Spaß nicht zu kurz.
Das Stift St. Florian ist seit fast tausend Jahren Zentrum für junge Burschen aus ganz Oberösterreich, die im In- und Ausland große musikalische Leistungen zeigen. Das Besondere an den Florianern ist laut Mag. Wolfgang Gruber, Zuständiger für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit „die Faszination, dass ganz normale Buben zu solch großen künstlerischen Leistungen fähig sind“.
Sängerknabe zu sein ist toll
Das Schönste daran, Sängerknabe zu sein ist, „dass man sehr viele Freunde gewinnt und dass man mit diesen Freunden in der Welt herumreisen kann.“ So der Grundtenor von Philipp, Nikolai, Sebastian und Markus. Die vier genießen auch die Freizeit, von der sie laut eigenen Aussagen trotz der eineinhalb Stunden Probe am Tag genügend haben. Sehr beliebt sind Mannschaftssportarten, und dank der großzügigen Räumlichkeiten gibt es viele Möglichkeiten zur Gestaltung.Der private Musikgeschmack der vier Buben reicht von Hip Hop bis Pop – aber er ist auf jeden Fall eher modern als klassisch.
Das Leben im Internat
Die Sängerknaben leben im Internat, besuchen aber die örtlichen Schulen. Dort sind die Sängerknaben einer Altersgruppe in einer Klasse zusammengefasst, und das Schulprogramm ist ganz auf sie abgestimmt. So müssen die Buben nach einem Konzert erst etwas später zur Schule, die Termine von Schularbeiten sind auf Auftritte und Tourneen abgestimmt. Nachmittagsunterricht haben alle Sängerknaben zur selben Zeit, da sonst die Proben nicht koordiniert werden könnten, so Mag. Gruber. Beim Lernen werden die Buben betreut, es gibt auch ständigen Kontakt mit den Lehrern in der Schule. Schlafenszeit ist, je nach Alter, zwischen 1/2 9 und 9, offiziell zumindest, denn „manchmal laufen wir auch in andere Schlafsäle, aber das ist dann so eine Art Event,“ verrät einer der Sängerknaben verschmitzt.
Das Leben danach
Bei vielen zeichnet sich in der dritten Klasse Hauptschule der Stimmbruch ab. Sie können sich dann entscheiden, ob sie bis zum Ende der Hauptschulzeit in St. Florian bleiben oder zu Hause in die Schule gehen wollen. Die meisten bleiben jedoch. Beruflich werden später die wenigsten professionelle Sänger, aber sie bleiben meist der Musik verbunden, viele singen in einem Chor. Die berühmtesten unter den Florianer Sängerknaben sind wohl der Tenor Kurt Azesberger und Anton Bruckner.
Konzertroutiniers
Das erste Konzert als Sängerknabe ist schon sehr aufregend, gestehen die Burschen gerne ein, aber „man freut sich auch, dass man endlich selber mitsingen darf“ und besonders am Anfang werden die Neulinge im Chor von den anderen mitgetragen. Die Sängerknaben reisen quer durch die Welt (so waren diese vier Burschen zum Beispiel schon in Brasilien), und diese Reisen werden nie Gewohnheit, sie bleiben immer etwas Besonderes.Die nächste große Tournee steht schon ins Haus: in Kürze geht es auf Europatournee, am 10. September sind die Sängerknaben dabei in Linz zu hören (siehe Club).Ja, sie würden sich auf jeden Fall noch einmal dafür entscheiden, Sängerknabe zu werden, antworten die vier wie aus der Pistole geschossen. Oft kommen auch Brüder von Ehemaligen wieder nach St. Florian, und das bestätigt wohl Sebastians Schlusskommentar: „Werdet Sängerknabe, etwas Besseres gibt es nicht!
Für das kommende Jahr sind noch Plätze frei, Kontakt Mag. Gruber, Tel. 07224 /47 99.
Hintergrund:
Interessante Zahlen & Fakten
Bereits 1071 wurden die St. Florianer Sängerknaben erwähnt. Damit gehören die Florianer zu den ältesten Knabenchören zumindest Österreichs, auf jeden Fall sind sie um einiges älter als die Wiener Sängerknaben. Dass aus-schließlich Knaben singen, liegt in der kirchlichen Tradition: früher war es nicht üblich, dass Frauen in der Kirche sangen, also wurden die hohen Stimmen von Knaben besetzt.Bei den Florianern gab es vor fünf Jahren ein Projekt mit einem Mädchenchor, doch die Probentätigkeit wurde dadurch eingeschränkt, dass das Internat nur auf Buben ausgerichtet war, zudem gab es geringe Auftrittsmöglichkeiten, und so verlief sich dieses Projekt wieder im Sand. Insgesamt sind die Florianer Sängerknaben stets etwa 40 Buben, wobei das Internat 48 Kinder fassen kann. Jedes Jahr beginnen etwa 10 bis 12 neue Sängerknaben. Aufgenommen werden Buben ab der dritten Klasse Volksschule, bei der Entscheidung über die Aufnahme muss der Bursch ein Lied nach eigener Wahl vorsingen, sowie am Klavier vorgespielte Töne und kleine Melodien nachsingen.