Die Ostslowakei und Ostungarn waren Ziel der ökumenischen Reise 2001 der Kirchenzeitung.
Eine hat Tränen in den Augen. Die Frau daneben lacht vergnügt. Dass die ökumenische Reise 2001 in ihrer Gemeinde Station gemacht hat, hat die verbliebenen deutschsprachigen Bewohner/innen von Göllnitz in der ostslowakischen Zips tief bewegt. Ihre Familien haben viel mitgemacht. Die Vertreibung der Angehörigen, Lager, viele Tote. Diejenigen, denen die Umstände ein Bleiben oder die Rückkehr ermöglichten, haben mit wenigem auskommen müssen. Mit 5000 slowakischen Kronen müssen viele bis heute leben – knapp 2000 Schilling sind das. Luisa Wargowa, geborene Wieser, ist eine von ihnen. Aus Liebe zur Heimat wollte ihre Mutter damals nicht weg, obwohl der Vater im Lager gestorben ist.
Nach der Wende ist einiges besser geworden. Sogar eine deutschsprachige Lehrerin gibt es jetzt, die Kinder haben neben Englisch auch eine Stunde in der Woche Deutsch im Unterricht. Doch die Gemeinde der einst deutschsprachigen Stadt hat nur mehr rund 200 Leute. Im 13. Jahrhundert waren die Deutschsprachigen aus Niedersachsen und Nordbayern hierher geholt worden, um mit ihren Methoden Eisen, Gold und Silber aus den Bergen zu holen. Blühende Städte entstanden, doch die Räder stehen heute still. Auf ihr Bergwerksmuseum sind die Göllnitzer stolz. Eine einzige Fabrik wird nach der Wende im Privatbesitz weitergeführt. 12 Leute stellen Scharniere und andere Metallwaren her. Fast die gesamte Produktion geht nach Österreich.
Die Ostslowakei und Ostungarn waren die Zielgebiete der ökumenischen Reise. Wunderschöne gotische Flügelaltäre sind in fast allen Kirchen zu bewundern. Herrliche Stadtplätze, weite Landschaften, überragt von der Zipser Burg. Eindrucksvoll sind die evangelischen Holzkirchen. Ohne einen Nagel zu verwenden mussten sie ganz aus Holz binnen Jahresfrist errichtet werden. Sie durften auch nur außerhalb der Stadtmauern gebaut werden. Fünf dieser einmaligen Kirchen haben dennoch mehr als 200 Jahre standgehalten.
Superintendent Mag. Hansjörg Eichmeyer und der Nationaldirektor der katholischen Fremdsprachigen-Seelsorge Dr. Laszlo Vencser waren „Geistliche Begleiter“ bei der ökumenischen Reise. Die christlichen Kirchen sind gerufen, am großen gesellschaftlichen Wandel dieser Region mitzuwirken. Besonders die schwierige Lage der Zigeunerbevölkerung hat die 45 Personen starke Reisegruppe betroffen gemacht. Fast alle sind arbeitslos, sie leben vom Kindergeld. In der Katholischen Pfarre von Leutschau (Levoca) leben 9000 Menschen, davon sind 4000 Zigeuner. Die Mentalitäten kommen nicht zueinander. Misstrauen und Angst sind da. Es scheint, als wäre in der modernen Welt kein Platz für sie. Eine tickende Zeitbombe ist das.
In Ungarn versucht man in die Lösung dieser Probleme die Zigeuner selbst einzubeziehen. Erstmals haben sie dort auch eine eigene politische Vertretung.Länder wie Ungarn, die Slowakei oder Rumänien mit offenen Augen zu bereisen kann manches an Vorurteilen zurechtrücken. In den Teilnehmer/innen der ökumenischen Reise ist so etwas wie Sympathie für diesen Charme des mitteleuropäischen Ostens gewachsen.
Bild: Die ökumenische Reisegruppe mit Superintendent Hansjörg Eichmeyer und Dr. Laszlo Vencser.