Werbekampagne soll dem fairen Handel satte Zuwächse bescheren
Ausgabe: 2001/36, Aktionäre, Dritte Welt, EZA, Bananen, Bio, Trans Fair
04.09.2001
- Walter Achleitner
Kaffee, Tee und Schokolade aus dem fairen Handel geben Menschen im Süden eine Chance zum besseren Leben. Die TransFair-„Aktie“, die jetzt zum Zeichnen aufliegt, soll für frischen Wind in Österreichs Einzelhandel sorgen.
„Die tägliche Tasse Kaffee macht den Unterschied“, meint Bischof Erwin Kräutler. „Wer beim Einkaufen auf fair gehandelte Lebensmittel achtet, bahnt Menschen einen Weg aus dem Gefängnis der Armut in die Freiheit – Tag für Tag.“ Der Unterschied ist leicht zu erkennen: am TransFair-Gütesiegel auf der Kaffeepackung. Doch obwohl aus der schwarzen Bohne das Lieblingsgetränk der Nation entsteht, Österreich liegt auf dem sechsten Platz des weltweiten Pro-Kopf-Verbrauches bei Rohkaffee, hat sich die gerechte Bohne kaum etabliert. 299 verkaufte Tonnen fairen Kaffees sind gerade 0,7 Prozent Marktanteil.Wie die Österreicher aber „ohne großen Aufwand einen wichtigen Beitrag für eine gerechtere Welt leisten können“, wie Bischof Kräutler meint, soll nun durch eine Werbekampagne deutlich werden: „Kann deine Marke das auch, fair sein? Achte auf dieses Siegel beim Einkauf!“ lautet ihr Motto. Bis Ende 2004 soll der Umsatz verzehnfacht werden. Der Erlös für den Süden könnte dadurch von 10,77 Mill. Schilling im Jahr 2000 auf 100,75 Mill. 2004 steigen.
Die süßeste Dividende
Grundlage für die Zuversicht der Marktstrategen im Auftrag von TransFair ist eine Nielsen-Studie, wonach 32 Prozent der Bevölkerung als potenzielle Käufer fair gehandelter Produkte gelten. Die häufigsten Käufer oder sehr kaufbereiten Nichtkäufer sind in Tirol und Vorarlberg (38%). Im Regionalvergleich das Schlusslicht ist Oberösterreich mit 26 Prozent.Die Werbekampagne für TransFair, Gesamtkosten 35 Mill. Schilling, sollen neben großen Geldgebern die TransFair-„Aktionäre“ möglich machen. Zwar handelt es sich dabei nicht um Aktien im herkömmlichen Sinn. Sie ist vielmehr eine Patenschaft für fairen Handel in Österreich. Der Gewinn ist der Mehrumsatz und kommt den Kleinbauern im Süden zu Gute (siehe linken Kasten). Die „Aktionäre“ gehen keinesfalls leer aus: Ihnen wird die Teilnahme an einer wachsenden Erfolgsidee versprochen. Und einmal im Jahr wird für sie die süßeste Dividende ausgeschüttet, seit es die Börse gibt – eine Schokolade mit dem TransFair-Gütesiegel.Gleichzeitig mit der Werbekampagne für das Gütesiegel wird auch die Produktpalette erweitert. Vergangene Woche hat der Vorarlberger Fruchtsafterzeuger Pfanner begonnen, erstmals in Österreich Orangensaft mit dem TransFair-Siegel abzufüllen. Die Früchte kommen aus Brasilien.
Im November kommen auch noch faire Bio-Bananen in die Obstabteilungen des Lebensmittelhandels. Davon erwarten sich die Marktforscher einen Erfolg. 2004 sollen damit bereits 37 Prozent des TransFair-Umsatzes erzielt werden und den Kleinbauern 8,47 Mill. Schilling an FairTrade-Prämie bringen.
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Den Erlös verzehnfachen
Ziel der TransFair-„Aktie“ ist es, bis Ende 2004 den fairen Handel in Österreich auszubauen. Auf Grund einer Marktanalyse soll eine Werbekampagne den Umsatz fairer Produkte um das Zehnfache steigern. Im Süden würden damit zehn Mal mehr Menschen ihre Ernte zu gerechten Bedingungen verkaufen. Und so könnte es am Beispiel von Kaffee laufen: Im Jahr 2000 wurden 293 Tonnen mit dem TransFair-Gütesiegel verkauft. Der Absatz soll auf 1500 Tonnen klettern. Der Einkauf würde sich damit um rund 1400 Tonnen Rohkaffee erhöhen. TransFair rechnet, dass so weitere rund 9000 Kleinbauern ihre Ernte zu den Vorzugsbedingungen des gerechten Handels verkaufen können. Mehreinnahmen pro Familie von rund 3000 Schilling pro Jahr kämen damit rund 60.000 Personen zu Gute. Aber auch indirekt führt die steigende Nachfrage bei Kaffee mit Gütesiegel zur Verbesserung der Lebensqualität im Süden. Denn zusätzliche 1400 Tonnen Rohkaffee bringen 1,9 Mill. Schilling FaireTrade-Prämie. Das heißt für die Kooperativen, die derzeit Kaffee nach Österreich liefern, dass pro Jahr 100.000 Schilling zusätzlich für soziale und ökologische Projekte zur Verfügung stehen.
L E X I K O N
Fairer Handel mit dem Süden
Existenz sichernde Preise, Vorfinanzierung und langfristige Abnahmeverträge mit Kleinbauern sowie gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen für Beschäftigte zeichnen faire Produkte aus. Zusätzlich wird eine FairTrade-Prämie gezahlt, die zum Auf- und Ausbau der sozialen Infrastruktur (Wasserversorgung, Schulen oder medizinische Betreuung) für die Produzenten verwendet wird. Ob ein Produkt gerecht gehandelt wurde, ist am Gütesiegel mit der Aufschrift „TRANS FAIR“ zu erkennen. In Österreich wird dieses von der Organisation TransFair vergeben, die mit unabhängigen Wirtschaftsprüfern regelmäßig die Einhaltung der Bedingungen überprüft. Über 40 Lebensmittel sind derzeit in Österreich mit dem Gütesiegel gekennzeichnet.