Solange Menschen leben, sind sie auf vielfältige Weise unterwegs. Zumindest geistig sollen wir auch dann beweglich bleiben, wenn Ortsveränderungen nicht (mehr) möglich sind.
Nicht jede Reise ist in Kilometern zu messen. Jemand kann in Gedanken aufbrechen, ohne ein einziges Verkehrsmittel zu benutzen. (Geistige) Unbeweglichkeit führt zu Starrheit, Bereitschaft zu Veränderung erschließt neue Horizonte. Gerade heute, wo Entfernungen durch moderne Kommunikationsmittel mühelos überwindbar sind, gewinnt die Mobilität des Herzens und des Geistes immer mehr an Bedeutung. Im Extremfall ziehen Menschen heimatlos von Ort zu Ort, ihre einzige Adresse liegt im weltweiten Computernetz Internet.
Dom Helder Câmara empfiehlt: „Wenn dein Boot, seit langem im Hafen vor Anker, dir den Anschein einer Behausung erweckt, wenn dein Boot Wurzeln zu schlagen beginnt in der Unbeweglichkeit: Such das Weite! Um jeden Preis müssen die reiselustige Seele deines Bootes und deine Pilgerseele bewahrt bleiben.“ – Erzählt nicht auch die Bibel viele Aufbruchs- und Reisegeschichten, von Abraham bis Paulus?Reiselust ist ein zweischneidiges Wort, denn einerseits waren wir nie zuvor so mobil wie heute, andererseits hat die allgemeine Mobilität noch nie so starke ökologische und soziale Schäden erzeugt. Deshalb ist bei jeder Fahrt zu fragen, ob die Reise nicht auch – wie wir als Kinder gesagt haben – mit dem Finger auf der Landkarte denkbar ist. Geistig lässt sich die Welt gut kennenlernen, oft besser als durch körperliche Präsenz an möglichst vielen Orten. „Deine Gesinnung musst du ändern, nicht die Gegend“, schrieb der römische Philosoph Seneca. So kann der Umgang mit Verkehrsmitteln vernünftig sein und zugleich der Geist mobil bleiben.
Während der Sommermonate erschienen an dieser Stelle Beiträge zum Thema Mobilität, die sich teils informativ, teils betrachtend mit verschiedensten Verkehrsmitteln auseinandersetzten. Illustriert waren fast alle Texte mit Bildern aus den Ländern der sog. „3. Welt“, auch um zeigen, dass unser gewohntes Bild von Transportmitteln nicht das einzig gültige ist. Der Autor war von 1988 bis 2000 Redakteur der Linzer Kirchenzeitung und arbeitet seither bei der MIVA (Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft), die sich für Mobilität in benachteiligten Regionen der Erde einsetzt. MIVA, Postfach 13, 4651 Stadl-Paura, Tel. 0 72 45/28 9 45; office@miva.at