Ohne Zweifel, wenn man in eine Liste schreiben würde, was heute zählt und wichtig ist: „Geld regiert die Welt“ stünde ganz oben. Selbstverständlich gibt es für die meisten Menschen auch noch andere Werte wie Gesundheit, Freiheit etc. Aber was unsere Zeit im Gesamten wirklich prägt, in den herrschenden Strukturen und Mechanismen, das sind doch die Strukturen des Geldes. Selbst wenn sich ein Einzelner gegen diese Mechanismen stellen würde, das herrschende System würde ihn zwingen, sich anzupassen oder als Verlierer auszuscheiden.
Eine Firma, die nicht im Wettlauf der Gewinn-maximierung mitmachen würde, wäre bei der nächsten Auftragsvergabe schon auf Platz zwei und damit bald weg vom Fenster. Ja selbst ein ganzer Staat ist zum selben Wettlauf gezwungen, denn sonst würde das internationale Kapital schnell in andere Zonen fließen. Es gibt einen weltumspannenden Mecha-nismus, der sich alles unterwirft. Sogar das Denken, Fühlen und Wollen. Was dabei besonders ekelhaft ist, ist dieser Anspruch der Absolutheit: Es gibt keine Alternative. Alle anderen Gesellschaftsentwürfe sind ja gescheitert. Den behaupteten Gesetzen des Marktes wird alles unterworfen.Es ist geradezu ein neuer Glaube, dass man sich dem unterzuordnen hätte, weil ohnehin nichts dagegen hilft.
Es ist ein globaler Tanz um das goldene Kalb. Manche tanzen freudig und überzeugt. Andere widerwillig und notgedrungen. Die, die nicht mehr tanzen können, werden niedergetrampelt. Schlacht-opfer werden dargebracht. Im wahrsten Sinn des Wortes. Dieser Tanz kostet Schlachtopfer – zahllose, himmelschreiende Schlachtopfer. Genau betrachtet ist dieses herrschende System ärger gescheitert als all die gescheiterten revolutionären Projekte.
Dagegen nehmen sich Stimmen geradezu schüchtern aus, die sagen: Moment mal, das kann ja wohl nicht alles sein. Wir akzeptieren diesen quasi-religiösen Absolutheitsanspruch nicht. Das Leben hat Vorrang, im Namen Gottes, der das Leben ist. Das Leben, der Mensch muss Vorrang haben. Wir brauchen eine andere Lösung.
Es macht nachdenklich: durch das ganze Lukas-evangelium, ja durch die gesamte Bibel zieht sich eine radikale Hinterfragung solcher Strukturen: die Macht der Mächtigen wird gebrochen, denn Gott steht darüber, als Instanz der Gerechtigkeit, des Ausgleichs. Die ersten werden die letzten sein. Gott stellt sich demonstrativ auf die Seite der Armen, Benachteiligten und Gescheiterten. Eine Herrschaft wird ausgerufen, die nicht von Menschenhand ist, die Herrschaft Gottes. Da steht alles in einem anderen Licht.
Herbert Schustereder ist Mitarbeiter der Caritas der Diözese Linz.