In zahlreichen Gottesdiensten und Erklärungen mahnten Kirchenführer zur Besonnenheit
Ausgabe: 2001/38, Papst, Trauer, USA, Sorge, König, Hass, Frieden, Gerechtigkeit
18.09.2001
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Dieser Dienstag hat die Welt verändert. Unvorstellbares ist geschehen – Tausendfacher Massenmord durch Terror.
Die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York und den Pentagon in Washington haben die Welt erschüttert. Die Politiker sprechen vom „Krieg gegen die freie Welt, gegen Demokratie und menschliche Zivilisation“. In ihrer Erschütterung und Trauer suchen Millionen Menschen Halt im Gebet. In Kirchen und auf öffentlichen Plätzen, in Synagogen und Moscheen beten sie für die Opfer und den Frieden. Die Angst geht um, Amerika könnte sich nach dieser „Kriegserklärung“ zu einem blutigen Gegenschlag hinreißen lassen. Nach einer Gedenkstunde im Bundeskanzleramt haben sich am vergangenen Freitag Kardinal Christoph Schönborn, der evangelische Oberkirchenrat Michael Bünker, Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, gegen die Zuweisung einer Kollektivschuld ausgesprochen. Es müsse alles getan werden, dass die Täter bestraft werden, aber die Antwort auf den Terror dürfe niemals Rache sein, warnten sie gemeinsam vor staatlichen und privaten Übergriffen auf Schuldlose. Diese Sorge kam in vielen ökumenischen und interkonfessionellen Gebetsstunden und Erklärungen auf der ganzen Welt zum Ausdruck. Der ehemalige Pax-Christi-Präsident, Kardinal Franz König, appellierte an die Staatenführer und alle Menschen guten Willens, nicht „der Rache und dem Hass zu verfallen“. Man müsse Geduld haben, um nicht Gedanken des Hasses und der Verachtung zu denken. Man müsse sich erst „von bösen Gedanken freimachen, um dann zu überlegen, wie man der Gerechtigkeit und dem Frieden am besten dienen kann“.