Wir wollen auch am Sonntag unser Geschäft machen. Die Läden müssen offen sein. Die Leute wollen bei uns einkaufen. Seien Sie also nicht von vorgestern, Sie sehen doch selber ein, es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis wir es erreicht haben. Es ist nicht unser Problem, wenn die kleinen Geschäfte dadurch rausfliegen. Und die Familien zerrissen? Nicht doch, die wollen das selber! Was der Prophet Amos dazu sagt, braucht keinen Kommentar!
Aber das Evangelium? Auf den ersten Blick ist es schon ein seltsamer Text. Da wird in einem Gleichnis ein Verhalten angepriesen, für das bei uns strafrechtliche Konsequenzen zu erwarten wären. Ein Gutsverwalter gibt schnell vor Vertragsende noch Vermögenswerte zum persönlichen Vorteil weg. Passt etwa betrügerische Krida zum Verhalten eines Christen? Damals? Heute? Wohl kaum. Es ist zwar oft versucht worden, die besondere Raffinesse des Verwalters als positiven Punkt herauszuschälen. Taktische Klugheit an sich wäre ja wohl kaum verwerflich, es riecht aber trotzdem irgendwie komisch, nicht wahr?
Die Situation zur Zeit Jesu ist geprägt von der römischen Besatzungsherrschaft über Israel. Stellen Sie sich zur Verdeutlichung etwa die DDR in der Zeit der Sowjetherrschaft vor oder, wenn Sie so wollen, die Zeit der Nazi-Herrschaft. Genauso haben die Römer jedes eroberte Gebiet mit blutiger Gewalt niedergehalten und ausgebeutet nach Strich und Faden. Dazu kommt, dass eine kleine Oberschicht der eigenen Leute kollaboriert mit den Machthabern. Auch sie bereichern sich schamlos und häufen sündhafte Schätze an auf Kosten der normalen Leute. Kein Wunder, wenn der Zorn des Volkes zu zahllosen Aufständen führt. Zur Zeit Jesu werden in einer Strafaktion an die 2000 Menschen gekreuzigt. Der jüdische Adel, die Söhne des Königs Herodes wurden sogar in Rom ausgebildet. Sie hatten daher oft Verwalter eingesetzt in den eigenen Großgrundbesitzungen, die an deren Stelle die Drecksarbeit machten: Rauspressen aus den Menschen was nur möglich ist. Wer sich zur Wehr setzt wird umgebracht oder vertrieben.
Jesus selbst hat dieses Bild in vielen Gleichnissen aufgegriffen. So könnte man durchaus annehmen, dass Jesus hier einen Verwalter im Blick hat, der eben nicht so skrupellos das Letzte aus den Leuten rauspressen wollte. Dafür wird ihm vom „reichen Besitzer“ vorgeworfen, dessen Vermögen zu verschleudern. Dann stellt sich dieser Verwalter offen auf die Seite der Bedrängten und erlässt die unmenschlichen Schuldvorschreibungen. Der Verwalter hat sich entschieden, zu wem gehör’ ich wirklich, zu denen, die buchstäblich über Leichen gehen, oder zu meinem Volk. Ist das Betrug? Oder was ist es wirklich?
Herbert Schustereder ist Mitarbeiter der Caritas der Diözese Linz.