Zum Abschluss der Reise nach Armenien setzt Johannes Paul eine ökumenische Geste.
Als erster Papst seit vielen Jahrhunderten hat Johannes Paul II. am 27. September in der armenischen Hauptstadt Jerewan eine Messe nach westlichem Ritus auf einem Altar einer östlichen Schwesterkirche gefeiert. Damit bekräftigte er am letzten Tag des Aufenthaltes seine Vision von der kommenden Einheit der christlichen Kirchen. Zu ihrer Verwirklichung ist Johannes Paul bereit, die Art der Ausübung des Papstprimates zur Diskussion zu stellen und eine neue Form des Petrusamtes zu suchen. Zu dieser kühnen ökumenischen Vision hatte sich der Papst am Vorabend bei einem Gottesdienst ausdrücklich bekannt. Der Besuch anlässlich der Feiern zur Christianisierung Armeniens vor 1700 Jahren stand ganz im Zeichen der Annäherung zwischen der armenisch-apostolischen und der römisch-katholischen Kirche. Wenn auch die sonst üblichen jubelnden Menschenmassen bei der 95. Auslandsreise völlig fehlten. Lediglich zur Messe für die katholische Minderheit waren einige tausend Katholiken aus den katholischen „Hochburgen“ im Nordosten des Landes gekommen. Wenig überschwänglich war auch zunächst das Verhalten von Katholikos Karekin II. gegenüber dem Papst. Der Patriarch wirkte stets höflich, schien aber erst gegen Ende des Besuchs stärker aufzutauen. Während der Papst in lyrischen Worten die brüderliche Liebe zwischen den Kirchenoberhäuptern beschwor, wählte Karekin eine ökumenisch korrekte, aber etwas distanziertere Ausdrucksweise. Seine Gesten der Umarmung wirkten eher protokollarisch, während er noch wenige Tage zuvor den russisch-orthodoxen Patriarchen Aleksij II. mit großer Herzlichkeit begrüßt hatte.
Sorge um Gesundheit
Überschattet wurden die drei Tage, die der Papst im Anschluss an seinen Besuch in Kasachstan in Armenien verbracht hatte, von Sorgen um seine körperliche Verfassung. Noch mehr als bei früheren Auslandsreisen hatte der 81-Jährige Mühe, seine Ansprachen zu verlesen. Auch das Gehen fiel ihm sichtlich schwer, obwohl ihn Katholikos Karekin II. und der Privatsekretär des Papstes, Bischof Stanislaw Dziwisz, nach Kräften stützten. Johannes Paul II. gelang es, seine Botschaft vermitteln und Meilensteine zu setzen: in Kasachstan stand, im Licht aktueller Weltpolitik, der christlich-islamische Dialog im Zentrum, und in Armenien betonte der Pontifex die Einheit der Kirchen von Ost und West. Dennoch hat die 95. Auslandsreise auch die Gebrechlichkeit des Papstes gezeigt. Mit seinen Ansprachen erzielte er zwar weltweite Beachtung. Gleichzeitig aber stellt sich die Frage, wie lange der Papst die physischen Strapazen noch durchstehen kann.