Mein Papa kann alles“, versichert der vierjährige Rafael inbrünstig, als es darum geht, etwas Kaputtgegangenes zu reparieren. „Der kann sogar einen toten Vogel wieder gesund machen!“ Naiver Kinderglauben? Mir jedenfalls ist diese kleine Begebenheit über all die Jahre in Erinnerung geblieben. Wie viel Vertrauen mein kleiner Neffe seinem Vater entgegengebracht hat – wie groß er von ihm gedacht hat! Natürlich hat sich sein kindlicher Wunschglaube inzwischen weiterentwickelt. Schmerzliche Erfahrungen im Laufe unseres Lebens lassen uns anderen gegenüber oft misstrauisch werden. Nicht jeder genießt unser uneingeschränktes Vertrauen. Und das ist gut so. Der lateinischen Wortwurzel nach leitet sich Glauben und Vertrauen von „cordare“ – „jemandem das Herz geben“ – ab. Glaube und Liebe stehen somit in einer engen Beziehung zueinander.
Die Apostel sind sich im heutigen Evangelium ihres wankenden Glaubens, ihrer Zweifel und Unsicherheit bewusst. In ihrer Bedürftigkeit wenden sie sich an Jesus: „Vermehre unseren Glauben!“ Jesus veranschaulicht am Beispiel eines tief verwurzelten Baumes, was starker Glaube bewirken kann: scheinbar Unmögliches erweist sich als möglich, Festgefahrenes wird gewandelt, starre Bindungen lösen sich. Lebendiger Glaube kann den Menschen in eine Welt führen, wo andere Gesetze herrschen. Wie in einem Märchen werden wir in eine uns fremde Wirklichkeit verzaubert. In unserer Ängstlichkeit meinen wir, diese Wirklichkeit sei unvereinbar mit Vernunft und aufgeklärtem Glauben. Mag sein, aber erfahren wir nicht in unserem ach so realistischen Alltag immer wieder auch Wundersames, das unsere Auffassung von Logik sprengt und das Leben unberechenbar macht?
Wäre euer Glaube nur so groß wie ein Senfkorn!“ Es würde sich viel bewegen in euch und um euch herum . . . Ein winziges Korn, feurig und kraftvoll in seiner Wirkung, dient Jesus als Vergleich. Wenn sich aus dem Korn eine Pflanze entwickelt, ist diese groß genug, um sogar Vögel zu beherbergen. In den Evangelien beschreiben Gleichnisse die Sprengkraft eines gefestigten Glaubens: Es ist die Rede von einem Berg, der sich von der Stelle bewegt, oder von einer wundersamen Heilung, die den Jüngern zum Anlass wird, über ihren eigenen kraftlosen Glauben zu reflektieren. „Alles ist denen möglich, die glauben!“
Woran glaube ich? Wem schenke ich mein Herz? Bin ich offen für einen noch größeren, stärkeren Glauben, oder reicht mir meine bisher erworbene Auffassung von Wirklichkeit – das was ich sehen und be-greifen kann? Sehnsucht macht offen für das Geschenk des Glaubens.
Ursula Klammer ist Theologin und lebt in Innsbruck-Mühlau.