„Wenn nicht Gott das Haus baut, mühen sich die umsonst, die daran bauen.“ (Ps 127, 1) Der Begriff „Haus“ ist abgeleitet vom althochdeutschen „hus“, dessen Wortwurzel „bedecken, umhüllen“ bedeutet. In unseren Breiten gibt es unglaublich viele Varianten häuslicher Umhüllung, und so manch eine/r steckt viel Geld, Nerven und Lebenskraft in die Eroberung einer solchen. Häuser im vormaligen Palästina waren aus Stein oder Lehmziegeln errichtet. Die Menschen hielten sich hauptsächlich im Freien auf. In den Häusern bzw. auf deren Flachdächern wurde geschlafen, gegessen und wurden Nahrungsmittel aufbewahrt.
„Haus“ meint in der Bibel auch „Familie“ oder auch „Haus (d. h. Volk) Israel“. Und egal, ob der Vers in der materiellen Bedeutung des Bauens oder in der beziehungshaften Bedeutung gelesen wird, es gilt: Neben allem Bemühen, dem Arbeiten und Rackern ist da noch etwas anderes, das notwendig ist. Das ist nicht im Sinne von „Wehe, wer auf Gott vergisst!“ gemeint, sondern dass Dimensionen Gottes ins Leben hereinragen. Sie bringen uns möglicherweise durcheinander und sind eben nicht berechen- oder bestimmbar. Gott nimmt teil an unserem Lebensplanen, skizziert mit, ist dabei beim Kalkulieren und beim Wändeaufbauen und -abreißen und auch bei diversen Firstfeiern. Wenn es im Psalm weiter heißt: „er gibt es den Seinen im Schlaf“, dann ist das wieder der Hinweis darauf, dass es einfach einen anderen Maßstab gibt, der nicht nach dem uns bekannten und vertrauten Dezimalsystem funktioniert.
Ich halte das für eine der wichtigen Aufgaben im religiösen Erwachsenwerden: die eigenen Maßstäbe und damit auch das eigene, wohlgezimmerte Gottesbild relativ zu lassen. Damit meine ich keine Beliebigkeit oder Standpunktlosigkeit in Bezug auf den eigenen Glauben oder das eigene Weltbild. Nein, mit „relativ“ meine ich, dass wir im Leben inmitten aller gewachsenen Überzeugungen erschütterbar und damit berührbar bleiben. Ich glaube, damit gelingt das Heimischwerden im eigenen Leben mit seinen begünstigten Südseiten und seinen unwirtlichen Nordseiten leichter.