Am 1. Oktober fand im Neuen Linzer Rathaus die Tagung „Armut als tägliche Herausforderung“ statt. Etwa 270 Expertinnen und Experten sowie Praktiker/innen aus Politik, Verwaltung und Sozial-Einrichtungen diskutierten die Möglichkeiten und Grenzen der Sozialhilfe. Bereits in den letzten Jahren, so der Befund der Tagung, konnten die ärmeren Bevölkerungsschichten von der gesellschaftlichen Wohlstandsvermehrung nicht profitieren. Auch nach Bezug einer Sozialleistung sind etwa elf Prozent der Bevölkerung in unserem Land armutsgefährdet, vier Prozent sind von Armut unmittelbar betroffen. Die Tagung sprach die Sorge aus, dass die sogenannte „soziale Treffsicherheit“ und das angestrebte „Nulldefizit“ den Sozialstaat umbauen. Es gehe Richtung „Armenfürsorge“. International zeige sich, dass das alleinige Setzen auf Armutsbekämpfung die soziale Gerechtigkeit verringere. Ein Sozialstaat müsse die Mehrheit im Auge haben, sonst schwinde mit der sinkenden Akzeptanz auch die Qualität der Leistungen. Armutsbekämpfung werde so zu einem Thema für wenige; oft sind es die sogenannten „unverschuldet“ Armen. Ganz abgesehen davon, dass eine reiche Gesellschaft allen Menschen einen Mindeststandard sichern können müsste, ganz abgesehen vom chrsitlichen Anspruch der jedem Menschen innewohnenden Würde – wer sagt, wodurch wer schuld an seiner Armut ist?
Die Sozialhilfe stellt nur das letzte Auffangnetz dar. Die vorgelagertern Systeme müssten Armut im Entstehen verhindern. Aber etwa die Hälfte der Arbeitslosengeldbezüge liegt unter dem Ausgleichszulagen-Richtsatz für Einzelpersonen. Diese Grenze ist in Österreich politisch als Armutsgrenze anerkannt. Ein Mindestarbeitslosengeld könnte hier Abhilfe schaffen, sagte Landesrat Josef Ackerl. Es würde zudem bei den Verantwortlichen den Stellenwert für die Prävention erhöhen.