Katholische Frauen- und Männerbewegung hielten Diözesantag
Ausgabe: 2001/41, Tolzeranz, KFB, KMB
09.10.2001
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Hass und Gewalt sind kein Gegenmittel einer toleranten Gesellschaft, meinte der Regisseur Andreas Gruber beim Diözesantag in Kremsmünster.
Die rund 1000 Männer und Frauen wussten es nicht: Während sie letzten Samstag, 6. Oktober in der Sporthalle von Kremsmünster beim Diözesantag der katholischen Frauen- und Männerbewegung Messe feierten, lagen muslimische Gräber am Friedhof von Traun-St. Martin geschändet da. Es zeigt, wie wichtig das Thema des Diözesantages war: Toleranz. Ernste und besinnliche Stimmung lag über dem ganzen Vormittag, spürten doch alle, wie sehr gerade die Toleranz unter den Menschen für eine gute Zukunft herausgefordert ist – politisch und im persönlichen Lebensbereich.„Wieso“, fragte der Welser Filmregisseur Prof. Andreas Gruber in seinem Festreferat, „gibt es nicht nur im Nahen Osten, sondern auch hier in Österreich und in der Kirche so viele Menschen, denen der Zusammenhalt ihres Persönlichkeitsbildes nur gelingt, wenn sie einen äußeren Feind haben?“ Die Härte Europas, das sich gegen Fremde an der SchengenGrenze abschottet, kritisierte er ebenso wie den neuen „Integrationsvertrag“ der österreichischen Regierung, der den „Beigeschmack von Schikane“ habe. Bischof Maximilian Aichern betonte: Es geht bei der Toleranznicht nur um ein neutrales Nebeneinander, sondern um die Sorge für den anderen. Die Diözese Linz wolle sich künftig nicht nur um ein gutes Verhältnis unter den christlichen Kirchen bemühen, sondern ebenso mit Islam und Judentum in ein vertieftes Gespräch treten.
Die Sorge gilt dem Leben am Rand
Das Gemeinsame gilt es über das Trennende zu stellen. So hieß es in der von Margit Hauft und Bernhard Steiner – gemeinsam– vorgetragenen „Erklärung“ der Frauen - und Männerbewegung. Männer sollten sich verstärkt in der Familienarbeit engagieren, hieß es darin etwa. Hervorgehoben wurde die Bedeutung der Familie.„Gerade perfektionistisches Denken und ein Menschenbild, das Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Jugendlichkeit in den Mittelpunkt stellt, birgt große Gefahren für die Ränder des Lebens“, formulierte Margit Hauft. „Unsere Sorge muss immer dem Leben gelten, ohne Unterschied von dessen objektiver Qualität und vor allem von seinem Beginn an bis zu seinem natürlichen Ende.Im Zusammenhang mit der Osterweiterung der EU wurde beim Diözesantag ein Einsatz um soziale Gerechtigkeit und ein sorgsamer Umgang mit der Schöpfung eingefordert. „Dies bedeutet auch den Verzicht auf Technologien, die das Leben massiv bedrohen, wie etwa das Atomkraftwerk Temelin.“