In einem Theaterstück stellten Jugendliche aus den Philippinen dar, was die meisten von ihnen selbst erlebt haben.
Celina lebt in einem Dorf auf den Philippinen. Auf Zureden ihrer Mutter nimmt sie das Angebot an, im Ausland zu arbeiten. Mit anderen Mädchen und Jungen wird sie Opfer eines Menschenhändlerringes und gezwungen, in einer Bar zu arbeiten. Mit Hilfsorganisationen gelingt es ihrem Freund, sie zu befreien. Ihre Erfahrungen können sie für andere nutzen.
Erlebtes verarbeiten
Das ist der Inhalt von „Es war einmal ein Traum“. Jugendliche aus den Philippinen touren damit durch Europa. Für die Schauspieler/-innen ist die Geschichte mehr als Theater. Sie kommen von Zentrum PREDA, wo sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche betreut werden. Das Theaterstück entstand für die Expo 2000 in Hannover. Bei der Weltausstellung wurde es drei Monate lang aufgeführt. Nun ist die Gruppe damit auf Tournee. Vor kurzem war sie auch in Österreich zu Gast, im Don-Bosco-Haus in Wien. Für die Jugendlichen ist das eine Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten. Es gibt eine zweite Gruppe, die das Stück auf den Philippinen zeigt. Dort ziehen die Jugendlichen durch Dörfer und warnen Eltern und Kinder vor den Machenschaften von Menschenhändlern.
Sextourismus anklagen
In Europa möchten die Jugendlichen Sextourismus anklagen. „Die selbe Geschichte ist für beide Ziele nutzbar“, sagt Frank Mischo, der die Theatergruppe begleitet. „Man merkt, die haben eine Botschaft“, erzählt er, „sie wollen nicht einfach Theater spielen.“ Die Gruppe spielt vor Schulklassen genauso wie vor tausend Menschen bei einer Veranstaltung. Nach der Aufführung gibt es eine Diskussion mit dem Publikum. „Die Zuschauer bekommen eine Aufgabe: dass sie Aufklärung betreiben sollen, und dass man das nicht totschweigen darf“, sagt der Tourbegleiter. Die Jugendlichen führen auch Aktionen durch. Etwa am Flughafen, wo sie Reisende direkt ansprechen. Besonders alleinreisende Männer.
Lebensfähig werden
Etwa die Hälfte der Schauspieler/-innen ist selbst missbraucht worden. Entweder in der eigenen Familie oder durch Sextouristen. Viele haben erlebt, dass missbrauchte Kinder nicht ernst genommen werden. Trotzdem hegen sie nicht eindeutig Hass gegen die Missbraucher „Für die Jugendlichen sind Erwachsene, die Kinder missbrauchen, nicht einfach Täter“, erzählt Frank Mischo. „Für sie sind Pädophile krank und brauchen selbst eine Therapie.“ Das Grundanliegen der Jugendlichen ist laut Mischo: „Es darf nicht so weitergehen.“
Die Diskussion mit dem Publikum ist für die Jugendlichen sehr wichtig. Es ergeben sich dabei viele Kontakte. Das ist auch ein Ziel ihrer Arbeit: Menschen zu finden, die in ihrem Umfeld an diesem Thema weiterarbeiten.
Manchmal bekommen die Mitglieder der Theatergruppe auch Geschenke, die sie zu Hause weitergeben. Genauso Kontaktadressen – an die Kinder und Jugendlichen, die nicht mit auf „Tournee“ gehen können. Nicht alle Jugendlichen in Preda können ihr Schicksal so verarbeiten, dass sie es auf einer Bühne darstellen können.
Zur Sache:
PREDA und die Mangos
1973 gründete Pater Shay Cullen die philippinische Organisation PREDA. Der Name steht für „Peoples Recovery, Empowerment and Development Assistance“ und heißt „Hilfe bei der Erholung, Stärkung und Entwicklung von Menschen“. Die Organisation in Olangapo City setzt sich für viele soziale Randgruppen ein, vor allem aber für Kinder, die in der Prostitution gearbeitet haben. PREDA ist eine Anlaufstelle für sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche in der Nähe der ehemaligen US-amerikanischen Marinebasis in Olangapo.
Doch PREDA will nicht nur Symptome kurieren, sondern Ursachen bekämpfen. Als Grundübel für viele Probleme auf den Philippinen gelten die ungerechten Strukturen in der Landwirtschaft. Viele Familien besitzen kein Land und leisten als Pächetr horrende Abgaben. Deshalb will PREDA auch wirtschaftliche Perspektiven bieten: sie vertreibt getrocknete Mangos. Diese stehen in Österreich im Mittelpunkt der Jugendaktion 2001, die gemeinsam von Katholischer Jugend und Missio durchgeführt wird.
P. Cullen, der Initiator von PREDA, ist im Dezember 2000 mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar ausgezeichnet worden. Ebenso wurde er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.