21. Oktober: China steht im Mittelpunkt des Sonntags der Weltkirche
Ausgabe: 2001/42, China, Sonntag, Weltkirche,
16.10.2001
- Wolfgang Engelmaier/missio
Im Wirtschaftswunderland China zeichnen sich neue Gefahren für die Kirche ab: Wird für die Christen der grenzenlose Konsum zur größeren Gefahr als der Staatskommunismus?
Li Jia-wen hat drei Wünsche: Sie will Lehrerin werden, bei ihren Eltern wohnen und einen Hund. Und die Achtjährige glaubt, dass der liebe Gott, als er die Tiere erschuf, zuerst Hunde gemacht hat.
Die Kinder schwer beschäftigter Eltern finden Unterschlupf im kleinen Saal neben dem Dom von Hangzhou, der Vier-Millionen-Stadt südlich von Shanghai. Hier können sie Aufgaben machen, spielen und kleine Theaterstücke für das Pfarrfest einstudieren. Die meisten leben bei den Großeltern, wie Li Jia-wen, deren Eltern in einer Seidenfabrik arbeiten. Montags und Freitags kommen sie ihre Tochter abwechselnd besuchen. Zeit zum Spielen hätten sie nicht, sagt das Mädchen, „aber sie lassen ein bisschen Geld da“.
Kirche unter Kontrolle
Wie den Kindern, so droht im Wirtschaftswunderland auch den älteren Menschen ein Leben im Abseits. An manchen Orten führt die Kirche Altenheime, um ein Zuhause zu bieten. „Die meisten kommen ohne Widerrede. Wir wollen ja unseren Kindern nicht zur Last fallen“, erzählt Philomena. Die 80-Jährige ist eine der „Jüngeren“ im Altenheim der Diözese Shanghai. Nicht überall im Reich der Mitte kann die Kirche den Menschen ihre Hilfe anbieten. An vielen Orten kämpfen Katholiken bis heute mit Verfolgung und Schikanen. Die „Untergrundkirche“, die sich der Kontrolle der kommunistischen Regierung konsequent entzieht, bezahlt dafür einen hohen Preis: Fast alles muss im Geheimen bleiben. Messen werden im Schutz der Dunkelheit in Privathäusern gefeiert. Doch auch jener Teil der Kirche, der vom Regime anerkannt wird, kann sich in China nicht frei entfalten.
Kirche mit hohem Ansehen
Oft die Peitsche, manchmal Zuckerbrot: So weiß Joseph Ai, der Dompfarrer von Shanghai, von einer Verlautbarung der KP, in der die Kirche als „gutes Beispiel für die Gesellschaft“ bezeichnet wird. Und der Seminarist Peter Lun berichtet vom „hohen Prestige“, das die Kirche in China habe. Auch genießen Christen die Achtung der Menschen, weil sie sich unentgeltlich für andere einsetzen.
Eines macht Peter Lun Sorge: dass in den großen Städten der Glaube verdunstet. Denn die Leute laufen nur noch dem Geld nach: „Habt ihr in Europa nicht auch die Erfahrung gemacht, dass der grenzenlose Konsum eine größere Gefahr für den Glauben ist als der Kommunismus?“ „Unsere Kirche ist eine verwundete, aber auch eine frohe Kirche“, meint der angehende Priester. „Unter Druck haben wir eine große Chance: einzustehen für das, was wir glauben.“
Zur Sache:
75 Jahre für die Weltkirche
Es war 1926, als Pius XI. einen eigenen Tag des Gebetes und der Werbung für die Mission in der katholischen Kirche eingeführt hat. Wenn sich seither das Verständnis der Glaubensverbreitung auch gewandelt hat: aus dem „Weltmissionssonntag“ ist der „Sonntag der Weltkirche“ geworden. In den 75 Jahren hat sich daraus jedoch die größte Solidaritätsaktion der katholischen Kirche entwickelt. Weltweit wird an diesem Tag, der in Österreich am dritten Sonntag im Oktober begangen wird, für die ärmsten Diözesen in Lateinamerika, Afrika und Asien gesammelt. Und über 1100 Diözesen wird damit ein bescheidenes Einkommen ermöglicht. Aber auch vielfältige pastorale und soziale Aufgaben werden so gesichert.
Knapp 30,1 Mill. Schilling (2,2 Mill. E) wurden aus diesem Anlass im Jahr 2000 in Österreich gespendet. Damit konnte Missio Austria (früher Päpstliche Missionswerke) das Ergebnis von 1999 um 0,7 Prozent steigern. Weltweit wird die Sammlung in 130 Ländern durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurden dabei den Päpstlichen Missionswerken 1,9 Mrd. Schilling (138 Mill. E) zur Verfügung gestellt.