„Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.“ (Psalm 131, 2)
Meine Seele ist still in mir. In wenigen Worten drückt sich eine ruhige, klare Tiefe aus, eine Geborgenheit, die einverstanden macht mit sich und der Welt. Kennen Sie solche Augenblicke? Oder ist solche Stille der Seele seit Kindertagen eine Grundstimmung in ihrem Leben, die Sie immer wieder aufsuchen können? Der kurze Psalm 131 ist wie ein Seufzen, er beginnt mit einem einfachen „Du!“, mit dem Gott angesprochen wird. In diesem Moment ist die Seele bei Gott wie vielleicht so ein kleines Zweijähriges, das nach gelungener Eroberung der nächsten Umwelt zufrieden zur Mama hinkuschelt und sein Glück genießt, zu leben.
Es ist ein sehr zärtliches Bild, das uns hier begegnet. Der betende Mensch spricht auch davon, wie er seine Seele vorbereitet hat, sie „still gemacht hat“ hin zu Gott. Das ist auch für uns heute möglich, die aufmerksame Vorbereitung für das innerliche Ruhigwerden. Es ist möglich, auch wenn das Grundgefühl manchmal verschüttet und überlagert ist von ganz vielem anderen, was uns bewegt. Das Vorbereiten kann geschehen im Spazierengehen, beim Meditieren, bei der Arbeit, es geschieht jede Sekunde, in der wir uns einlassen auf die Intensität des Augenblicks. Und den Augenblick kann es auch geben mitten in der nervtötendsten Computerarbeit. Gott ist da, um uns in unserem Glück zu leben zu bestätigen, in dem Moment strahlt „sie“ uns an, sie lässt ihr Angesicht leuchten über uns.
Wenn wir von Gott als Mutter oder Vater sprechen, rührt das unsere eigenen Elternbilder an. Wenn ein Kind vom Vater misshandelt worden ist, wird es sich wahrscheinlich schwertun mit einem Vatergott, und wenn ein Kind von der Mutter abgelehnt worden ist, wird es sich keine Muttergott wünschen, die es an die eigene erinnert. Deshalb ist es gut, wenn die Bilder von Gott verschieden sind. Und letztlich ist Gott alle diese Bilder und keines von ihnen . . . Den selbst geschriebenen Psalm (wie in den ersten Teilen der Serie) habe ich heute bewusst ausgelassen. Ich möchte Sie einladen, Ihren eigenen Psalm an Gott-Mutter zu formulieren oder aufzuschreiben und wünsche Ihnen viel Freude dabei!