Am Linzer Hauptplatz wird eine Reichtumsburg errichtet. Unter einer Riesen-Käseglocke thront eine feiste Maus auf einem Berg Käse. Davor irren Mäuse-Habenichtse herum.
Das OÖ. Netzwerk gegen Armut und soziale Azusgrenzung organisierte einen Aktionstag am 17. Oktober 2001. – Er fand nach Redaktionsschluss statt und ist eingebettet in eine österreichweite Armutswoche, die aufzeigt, dass sich Reichtum und Armut einander bedingen oder wie Brecht es ausdrückte: „Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an. Und der Arme sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ Bert Brecht
Das Privatvermögen aller Österreicherinnen und Österreicher beträgt zusammen etwa 8.000 Milliarden Schilling (581,38 Milliarden E). Die reichsten zehn Prozent besitzen rund die Hälfte, die ärmsten 50% Prozent bescheidene zwei bis drei Prozent. Die österreichischen Spitzenverdiener sind einige Sportler, Künstler oder Unternehmer. Der Bestverdiener bekommt jährlich 50 Millionen Schilling Salär. Dafür müsste ein durchschnittlicher Verdiener 150 Jahre arbeiten... Die zehn reichsten Österreicher haben zwischen 12 und 74 Milliarden Schilling Vermögen.
340.000 Menschen, elf Prozent der Bevölkerung, sind armutsgefährdet. Es sind u. a. Langzeitarbeitslose, Zuwanderer, kinderreiche Familien, Alleinerzieher/ innen. Die Veranstaltungs-Gemeinschaft, zu der auch Caritas und die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung gehören, fordert eine bedarfsorientierte Mindestsicherung.
Wer ist arm?
Arm ist etwa Ivo K., der in Sarajevo zur Welt kam, Jus studierte und als Richter arbeitete. Dann floh er nach Österreich, um sein Leben zu retten. Hier arbeitet er als Verkäufer. Er zahlt eine überdurchschnittlich hohe Miete... Arm ist auch Helene S. Sie blieb bei ihren Kindern zu Hause und fand dann im erlernten Beruf keinen Job mehr. Sie musste sich mit einer geringfügigen Beschäftigung und einem freien Dienstverhältnis zufrieden geben. Arm ist auch Maria O. Sie ist Akademikerin, Single und seit drei Jahren psychisch krank. Vom sozialen und kulturellen Leben ist sie weitgehend ausgeschlossen, Die Invaliditätspension reicht gerade für eine kleine Wohnung.Auch die sechsköpfige Familie T. ist arm. Er ist Hilfsarbeiter und verdient netto 11.500 Schilling im Monat. Um sich und seine Familie durchwursteln zu können, übernimmt er jede Menge Aushilfsjobs an Abenden und Wochenenden.