Sie zeigen ein Stück Realität ohne sentimental zu werden: Filme aus Zentralasien. Die Filmschau „Aus dem Herzen der Welt“ läuft zur Zeit in Wien. Hier wird Zentralasien abseits der Nachrichtenwelt präsentiert.
Im Zusammenhang mit den amerikanischen Vergeltungsschlägen steht Zentralasien zur Zeit im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit.Damit ist auch die Filmschau „Aus dem Herzen der Welt – das Kino der zentralasiatischen Republiken“ von besonderer Aktualität. Diese Retrospektive – bis Ende Oktober in Wien zu sehen – eröffnet Einblicke in eine Welt, die uns oft gänzlich fremd ist. Das Gebiet Zentralasiens – es ist 50-mal so groß wie Österreich – ist wohl in jeder Hinsicht unbekannt: Geprägt sowohl vom Europäischen als auch vom Orientalischen steht es in gewisser Weise zwischen zwei Welten. Gezeigt wird in diesen Filmen aus Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan das Leben, ein Stück Realismus: einfach und direkt – ohne sentimental zu werden. Die Wirklichkeit, wie sie die Regisseure selbst erfahren, wird teilweise autobiographisch festgehalten. Die Filme zeugen von den Veränderungen des gesellschaftlichen und politischen Lebens, aber auch des Staates und der Bevölkerung selbst. Die Ablehnung der traditionellen Lebensweise und das In-Frage-Stellen der alten Werte werden in den Filmen dabei genauso ersichtlich wie die Neuordnung der Gesellschaft. Das ist eine Tatsache, die auch das filmische Gestalten beeinflusst hat.
Gerade ab den 60er Jahren bringt eine neue Generation von Filmemachern frischen Wind in das zentralasiatische Filmgeschehen – und das trotz minimaler Ausstattung und schlechter Arbeitsbedingungen. Der politische Umsturz Ende der 80er Jahre eröffnet weitere neue Möglichkeiten: Junge Filmemacher, die ihre Ausbildung noch in Moskau an der Filmhochschule absolviert haben, kehren nach Hause zurück und lösen eine „neue Welle“ des jungen zentralasiatischen Streifen aus. Aufgrund der schwierigen Ausgangsposition der Filmschaffenden bleibt die Anzahl der produzierten Filme auf ein Minimum beschränkt. In den knapp 50 ausgewählten Filmen, die diese „Retrospektive“ umfasst, wird ein umfassender Überblick über das zentralasiatische Filmschaffen ab Mitte der 60er Jahre bis jetzt geboten. Die Retrospektive wird zur Zeit im Rahmen des österreichischen Filmfestivals Viennale im Österreichischen Filmmuseum in Wien gezeigt.