Erstes öffentliches Gespräch zum Sozialwort der Kirchen in Steyr
Ausgabe: 2001/43, Politik, Partnerschaft, Sozialwort, Steyr
24.10.2001
- Matthäus Fellinger
Spitzen von Wirtschafts- und Arbeitnehmerseite diskutierten mit Kirchen-Repräsentanten die sozialen Eckpfeiler.
„Die Konflikte werden mehr, der Stress nimmt zu. Es wäre schrecklich, wenn es die Sozialpartnerschaft nicht gäbe, sondern wenn nur aus momentanen Emotionen heraus die Entscheidungen getroffen würden.“ So appellierte Diözesanbischof Maximilian Aichern bei der ersten öffentlichen Diskussion zum Sozialwort der christlichen Kirchen. Kirchenzeitung, Sozialreferat im Pastoralamt und das Ökumene-Referat hatten am Dienstag, 16. Oktober in die Pfarre Steyr-Ennsleite geladen.
Ein Spitzentreffen ganz im Sinne des Bischofs-Appells war es, denn erstmals kam es zum öffentlichen Gespräch der Verantwortlichen von Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und den Kirchen.
Und es zeichneten sich tat-sächlich gemeinsame Anliegen ab: „Wir wollen in der Politik wieder mehr gehört werden“, fasste AK-Präsident Hubert Wipplinger seine Hauptanliegen zusammen. „Die christlichen Kirchen sollten in ihrem Sozialwort auch die Probleme der Wirtschaftstreibenden aufgreifen“, betonte Wirtschaftskammer-Präsident Viktor Sigl. 40 Prozent der Unternehmer kämen auf einen Verdienst von unter 14.000 Schilling, sie wären sozial nicht abgesichert. Dass die Beziehungen der Menschen nicht durch Modernisierung und Technisierung unter die Räder kommen, ist für den evangelischen Pfarrer von Steyr, Mag. Friedrich Rössler, dringlichste Sorge.
In wichtigen Punkten gab es Einigkeit: Die Sonntagsruhe müsse abgesichert werden. Sowohl Sigl als auch Wipplinger sprachen sich auch gegen eine Erweiterung der Ladenöffnungszeiten aus. „Wir kommen mit den gegenwärtigen Ladenöffnungszeiten aus“, betonte Sigl. „Wirtschaftsminister Bartenstein soll in dieser Frage endlich Ruhe geben“, forderte Wipplinger.Während allerdings Sigl eher „flexible“ und „individuelle“ Lösungen etwa in der Frage der Beschäftigung von Behinderten vorschlägt, sieht der Arbeiterkammer-Präsident darin ein Unterlaufen bestehender sozialer Errungenschaften. Dass die Kirche zu diesen Gesprächen einlädt, wurde insgesamt gelobt.