Steinmetz-Meister Franz Grünzweil aus Helfenberg sagt: Ein Pfarrer prägt durch sein jahrelanges Wirken auch den Friedhof im Ort.
Es gibt schlichte Friedhöfe mit einfachen Kreuzen und es gibt Friedhöfe, in denen teure, fast pompöse Gräber dominieren. Für Steinmetz-Meister Franz Grünzweil kommt auf den Friedhöfen die Einstellung zu Sterben und Leben in einem Ort gut zum Ausdruck. Selbst benachbarte Pfarren unterscheiden sich da oft deutlich. Ein Pfarrer, der lange in einer Pfarre gewirkt hat, prägt auch das Aussehen des Friedhofs, ist Franz Grünzweil überzeugt: Ob der Gottesacker Hinweis auf die Vergänglichkeit ist, die im Tode die Menschen gleich arm vor Gott dastehen lässt, oder ob das irdische Leben gleichsam fortgesetzt wird mit den kleinen Unterschieden unter den Menschen.Drei, vier Wochen nach einem Todesfall kommen die Angehörigen zum Steinmetz. Für die Regelung des Nachlasses benötigt der Notar einen Kostenvoranschlag für das Grab. Manchmal bedeutet das ein mehrstündiges Gespräch für den Steinmetz, andere wollen die Sache kurz und knapp erledigt wissen. Wenn junge Menschen sterben, dann geht das auch dem Steinmetz recht nahe. Die Gestaltung des Grabsteins ist dann den Angehörigen besonders wichtig. Grünzweil zählt mit seinem Familienbetrieb – neun Leute insgesamt – nicht zu den Großen im Geschäft. Ihn bekümmert, dass heute auch bei den Gräbern ein Buhlen ums „letzte Geschäft“ in Gang gekommen ist. Firmen schicken, wenn sie ein frisches Grab entdecken, ihre Vertreter aus, um „Kunden“ zu werben. Früher war solche Werbung gesetzlich verboten. Bis zu 60.000 Schilling geben die Leute für ein steinernes Grab aus, im Normalfall kostet die Anlage rund 30.000 Schilling. Längst sind auch Billigstimporte am Markt, Komplettgräber aus Indien etwa. Schwarzer Stein, meint Grünzweil, ist heute fast unverkäuflich. In frühereren Jahren galt hingegen: Je reicher einer war, desto schwärzer war auch sein Grabstein. Die Hälfte der Kunden wählen heute heimischen Granit.