Bischof Kothgasser: Bilanz zum Abschluss der Bischofssynode in Rom
Ausgabe: 2001/44, Kothgasser, Stocker, Papst, Papst Johannes Paul II, Bischofssynode, Synode
30.10.2001
- Interview: Franz Stocker
Am 27. Oktober ist in Rom die Weltbischofssynode zu Ende gegangen. Vier Wochen hatten die Bischöfe das Thema „Der Bischof als Diener Jesu Christi für die Hoffnung der Welt“ beraten. Die Kirchenzeitung sprach mit Bischof Alois Kothgasser. Er war Delegierter Österreichs.
Die Synode hat beraten, wie Bischöfe leben und ihr Amt ausüben sollen. Gab es dazu nennenswerte Ergebnisse?
Kothgasser: Das eigentliche Ergebnis scheint mir die gemeinsame Besinnung der Bischöfe aus aller Welt auf die Identität des Bischofs und seine Aufgaben nach dem II. Vatikanischen Konzil auf dem Weg in das neue Jahrtausend zu sein. Das Synodenthema gibt zwei Grundrichtungen an: Zeuge des Evangeliums Jesu Christi und Vermittler der Hoffnung für die Welt von heute und morgen. Die Situation in den einzelnen Diözesen und Kontinenten ist sehr unterschiedlich. Dasselbe Evangelium wird gelebt und verkündet in Ländern mit christlichen Mehrheiten und verschwindenden Minderheiten, wie z. B. in islamisch geprägten Völkern und Kulturen. Die Aussagen der Bischöfe waren einerseits geprägt von großem Bekennermut und andererseits von großer Behutsamkeit und tiefem Einfühlungsvermögen für die Menschen, mit und unter denen sie leben.
Gemeinsam vorangehen
Laut Pressemeldungen haben mehrere Bischöfe den Zentralismus vatikanischer Stellen aufs Korn genommen. Die Kritik kam auch von Bischöfen aus osteuropäischen Ländern. Gab es Überlegungen, die Entschei-dungsbefugnisse von Bischofskonferenzen und Diözesan-bischöfen zu stärken?
Kothgasser: Von großen Spannungen zwischen den Bischöfen und Rom war nur wenig zu spüren. Bleibend gegenwärtig waren die unterschiedliche Weise, Kirche in den orientalisch geprägten, meist mehr synodal verfassten Kirchen zu leben, sowie die Probleme der Inkulturation des Glaubens in Kulturen, die westlichem Denken und westlichen Lebensverhältnissen oft sehr fremd sind.Um vieles gewachsen ist das Bedürfnis, einander zu verstehen und mit dem Papst und seinen Mitarbeitern in den römischen Gremien voranzugehen. Wenn Bischöfe und Bischofskonferenzen all das tun, was sie dem Evangelium und den Aussagen des II. Vatikanischen Konzils entsprechend tun können und sollen, dann haben sie sehr viel zu tun.
Wurde auch über die Ausübung des Papstamtes gesprochen?
Kothgasser: Die Frage nach der Ausübung des Papstamtes, die Johannes Paul II. in seinem Schreiben über die Ökumene „Ut unum sint“ gestellt hat, wurde immer wieder aufgegriffen. Auch eine Reform der Bischofssynode wurde angesprochen: kürzer, themenzentrierter, effektiver. Dieses Anliegen hat auch die deutschsprachige Gruppe beim Mittag-essen mit dem Papst behandelt.
Hat das Anliegen aus Österreich Gehör gefunden, den Gläubigen der Diözesen ein Mitspracherecht bei der Bestellung ihrer Bischöfe einzuräumen?
Kothgasser: Die bisher schon gegebenen Möglichkeiten sollten besser, umfassender und objektiver genützt und die Bischöfe einer Kirchenprovinz intensiver einbezogen werden.
Haben die Terroranschläge in den USA und ihre weltpoliti-schen Folgen die Beratungen der Bischöfe stark beeinflusst?
Kothgasser: Ja. Sie waren in der Synode ständig gegenwärtig, schon durch die Anwesenheit der Bischöfe heimgesuchter Länder: USA, Heiliges Land, Nigeria, Pakistan u. a. Kardinal Egan von New York war am 11. Oktober zu Hause und ist gegen Ende der Synode vorzeitig abgereist, um bei seinem leidgeprüften Volk zu sein. Die Schlussbotschaft der Synode gibt einiges von diesen weltpolitischen Sorgen wieder. Alle Ereignisse fanden in der Sy-nodenaula ihren Widerhall, vor allem im gemeinsamen Gebet und in vielen Gesprächen.
Welchen Eindruck hat der Papst auf Sie gemacht?
Kothgasser: Sein tägliches Arbeitspensum ist beeindruckend. Er eröffnete am 30. September im Petersdom die Synode, nahm an allen Vollversammlungen teil, hielt zwischendurch private und öffentliche Audienzen, lud fast jeden Tag eine Gruppe von Synodalen zum Mittagessen ein.Der Papst ist erstaunlich munter. Ein wenig Schalk spricht immer aus seinen Augen. Eines Morgens begrüßte er uns mit den Worten „Salam alaikum“ – zur Freude der arabisch sprechenden Bischöfe. Das „Alaikum salam“ ließ nicht lange auf sich warten. Ab und zu überfiel ihn dann auch verständlicherweise bei den langen Sitzungen und dem vielen Zuhören bei so vielen Sprachen die Müdigkeit.
Was geschieht mit den Ergebnissen der Synoden-Beratungen?
Kothgasser: Nach den Einzelbeiträgen zum Synodenthema und dem entsprechenden Ar-beitsinstrument wurden in drei englischen, drei französischen, drei spanischen, zwei italienischen und einer deutschen Sprachgruppe Stellungnahmen erarbeitet. Hinzu kommen 67 „Propositiones“, das sind Vorschläge für den Papst und den Synodenrat im Blick auf das nachsynodale päpstliche Schreiben.Das Synodenthema „Der Bischof, Zeuge des Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der Welt“ wird den Hirtendienst der Bischöfe in Kirche und Gesellschaft auf den Weg ins neue Jahrtausend begleiten. Diesen Akt der Hoffnung haben die Synodenbischöfe zusammen mit dem Nachfolger Petri im Namen vieler am Beginn dieser neuen Zeit gesetzt.
Das Synodenthema wird den Hirtendienst der Bischöfe in Kirche und Gesellschaft ins neue Jahrtausend begleiten.