Selbstverständlich – Frauenbeziehungen sind in der Bibel so vielfältig wie im Leben. Für heute eine stärkende, Mut machende Frauenfreundschaft.
Da ist die eine, die ältere Frau, Elisabeth. Sie ist – so überliefert Lukas – recht vor Gott, sie ist „gerecht“, aber das Leben ist ungerecht zu ihr – kein Kind. Bis es eines Tages ihrem Mann die Sprache verschlägt, bis alles ganz anders wird. Und da ist Maria, Mirjam, die junge, vielleicht zu junge Frau, noch ohne Mann lebend. Sie versucht zu verstehen, was ihr bevorsteht, bis sie sagen kann: „Ja, ich bin Prophetin, Knechtin Gottes (= in unserem Begriff „Magd“), wie Elija und Jeremia und andere vor mir.“Und dann – Frohbotschaft im wörtlichen Sinn: „Mit Eile“, so sagt Lukas, geht Maria zur älteren Frau, zur Verbündeten, zu einer, die versteht, welche Hoffnung und welche Freude im Neubeginn liegen, aber auch welche Unsicherheit und Angst. Was die beiden Frauen in drei gemeinsamen Monaten erleben, bringt uns Lukas in den Worten nahe: Jubel und Freude, erfüllt und gesegnet. Und Maria singt, sie singt diesem Gott, den sie als neues Leben in sich erfährt: „Es preist meine Seele . . .“ Hier wird „frohe Botschaft“ erzählt – denn Elisabeth jubelt mit. Gott, so überliefert Lukas, Gott zeigt sich in der Begegnung der zwei schwangeren Frauen, Gott zeigt sich in der Freundin an der Seite. Und damit sind wir wieder mitten in unserem Alltag: Es hat mit Gott zu tun, wenn sich eine Freundin (es kann auch ein Freund sein) mitfreut über neues Leben in mir, über Gefühle, die ich lange nicht mehr zeigte, über Gedanken, die mir schon längst zu denken abgewöhnt wurden. Es hat mit Gott zu tun, wenn sich eine Freundin (ein Freund) über alles mitfreut, was neu in mir gewachsen ist, auch wenn man es noch so wenig sehen kann wie eine Schwangerschaft in ihren ersten Wochen. Denn der Jubel der Elisabeth hat das Magnifikat der Maria ausgelöst!
Dr. Helga Kohler-Spiegel, Professorin für Religionspädagogik an der Pädagog. Akademie des Bundes in Vbg.