Gott ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden.“ Auf dieses Wort am Schluss des Evangeliums möchte ich mich beschränken. In dieser Feststellung ist Wesentliches über Gott und uns sterbliche Menschen ausgesagt. In den Novembertagen sind wir vielfach mit dem Thema Tod und Auferstehung konfrontiert. In Bibelrunden, in Gesprächen, in Zusammenhang mit dem Beerdigungsdienst in der Begleitung von Trauernden werde ich oft gefragt: Was ist nach dem Tod? Was heißt für sie Auferstehung? Wie stellen sie sich den Himmel und das Leben bei Gott vor? Werden wir die Menschen, mit denen wir gelebt haben, wiedererkennen?
Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist euer Glaube sinnlos“ (1 Kor 15, 14). Auferstehung ist für uns Christinnen und Christen das Kernstück der Frohen Botschaft. Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, so wird mir deutlich, dass Auferstehung längst begonnen hat. Schon in der Kinderzeit, die Kriegszeit war, zeigte es sich, dass die dunklen ausweglosen Situationen die Hoffnung auf Leben nicht töten können. Dann spürte ich in meiner Berufungsgeschichte, dass da ein Gott mitgeht, der lebt, der mir hilft, die Mauern der Angst und der vielen Wenn und Aber zu überspringen, ein Gott, der mir in dieser Welt deutlich macht, was das Leben mit ihm in sich birgt. Der Keim des neuen Lebens wird spürbar. Wenn ich auf einem Friedhof stehe, wird mir bewusst, dass ich auf einem Bollwerk von geballter Hoffnung stehe. Freude kommt in mir auf, wenn ich zu Gott sagen darf: Du bist für mich kein Gott von Toten, sondern ein Gott von Lebenden.
Wenn ich versuche, den Lebensweg mit meinem Gott zu gehen, dann bin ich voll überzeugt, dass einer am anderen Ufer auf mich wartet, der die Macht hat, mich aus dem Tod herauszuholen in ein Land der Liebe, des Friedens, der Freude und des ewigen Glücks. Auferstehung bedeutet nach Jesu Worten nicht eine Verlängerung des Jetzt, sondern etwas Neues, das unsere Vorstellungen weit übertrifft.
Unser Glaube an die Auferstehung ist eine tägliche Herausforderung. Wenn der Tod als Durchgang, als Befreiung aus diesem begrenzten Leben gesehen wird, dann werden wir uns in das Loslassen von Irdischem einüben. Dann ist es nicht wichtig, wie wir uns die Auferstehung und das Leben bei Gott vorstellen. Wichtig ist dann, dass wir uns Gott anvertrauen und ihm zutrauen, dass er die Macht hat, uns aus dem Tod herauszuholen. In der Verkündigung regt sich in mir ein starkes Siegesbewusstsein: „Verschlungen ist der Tod vom Sieg. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus“ (1 Kor 15. 54c. 57).
Sr. Ermelinde Kräutler ist Pastoralassistentin der Pfarre St. Martin in Dornbirn.