Frauen verdienen in Österreich um bis zu 30 Prozent weniger als Männer, Frauen in Leitungspositionen sind selten. Die Kirche Oberösterreichs möchte dies bei ihren Angestellten ändern.
Die Diözese Linz startet ein Gleichstellungsprojekt, das Bischof Maximilian Aichern am 31. Oktober im Bischöflichen Priesterseminar präsentierte. Bischof Aichern erklärt dazu: „Eine Studie zur Arbeitssituation von Frauen in den Einrichtungen und Ämtern der Diözese zeigt, dass es eine Ungleichstellung von Frauen und Männern gibt. Darum habe ich Anfang Mai den Auftrag zum diözesanen Prozess, Frauen und Männer in den diözesanen Ämtern und Einrichtungen – Umsetzung von Gleichstellung‘ erteilt.“
Wer hier so heikle Themen wie Frauendiakonat oder Frauenpriestertum wittert, ist auf der falschen Fährte. Hier geht es nicht um Weiheämter und „... nicht um Anliegen der Weltkirche, diese sind von Rom zu regeln, sondern um das Prinzip der Gleichstellung bei Fachkräften auf Österreichebene“, betont Bischof Aichern.
4035 Personen sind in der Diözese Linz beschäftigt, 1312 davon sind Männer und 2723 Frauen. Frauen sind in Leitungsfunktionen kaum vertreten und verdienen deutlich weniger als Männer. Je niedriger die Entlohnung, umso größer wird der Frauenanteil (siehe Abbildung). Zwei ausgewählte Beispiele verdeutlichen dies:
Beispiel 1:
Im Pastoralamt der Diözese Linz sind zwei Drittel der Dienstnehmer/innen Frauen, die Hälfte aller Beschäftigten sind in der untersten Hierarchieebene, davon sind die Mehrzahl Frauen. Abteilungsleiter-Posten sind zu 72 Prozent von Männern, zu 28 Prozent von Frauen besetzt. Die Teilzeit-Quote liegt insgesamt bei 49 %, davon: 25 % Männer und 75 % Frauen.
Beispiel 2:
Der Frauenanteil in der Abteilung Pastorale Berufe (Pastoralassist/innen, Jugendleiter/innen ...) liegt bei 51,4 Prozent. Ein auffallendes Missverhältnis herrscht bei der Verteilung der Geschlechter im Bereich „Pfarrassist/innen“: Nur 3 von 23 Posten haben Frauen inne. Familienleben und Totaleinsatz in der Pfarre – das lässt sich besonders bei Frauen mit Familie nicht vereinbaren. Einer der Gründe dafür liegt im fehlenden Berufsprofil für Pastoralassistent/innen generell. „Der Beruf des Pastoralassistenten bzw. der Pastoralassistentin orientiert sich nicht an einem Berufsbild, sondern an einer Lebensform und zwar an jener des zölibatären Priesters. Und in dieser Lebensform ist keine eigene Familie vorgesehen“, erklärt Referent Hermann Deisenberger.
Nägel mit Köpfen machen
Die Kirche in Oberösterreich will diese Arbeitssituation mit Hilfe des Gleichstellungsprojekts verbessern. „Nägel mit Köpfen wollen wir machen“, erklärte Bischofsvikar Josef Mayr beim Start des Projektes am 31. Oktober. Bischofsvikar Mayr teilt sich mit Mag. Irmgard Lehner, Frauenbeauftragte der Diözese Linz, die Projektleitung. Dass ein Unternehmen davon profitiert, wenn sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter optimal entfalten können, davon sind Unternehmensberater überzeugt. Dabei geht es nicht um einen feministischen Ansatz. Gleichstellung nützt dem Unternehmen: „Ein partnerschaftliches Klima, das nur mit Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern erreicht werden kann, steigert die Motivation und führt zu größerer Arbeitszufriedenheit. Das ist im Sinn der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch im Interesse der Dienstgeberin Diözese Linz“, erklärte Frauenbeauftragte Mag. Irmgard Lehner. Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexible Arbeitszeiten und neue Führungsstile im Team ermöglichen beiden Geschlechtern eine Steigerung der Lebensqualität.
Verbindlich: diözesaner Gleichstellungsplan
Geplante Maßnahmen, die im Gleichstellungsplan verankert werden, sind etwa der Aufbau von Nachwuchs-Führungskräften. Dabei werden gezielt qualifizierte Mitarbeiterinnen angesprochen, um den Anteil von Frauen in Leitungsfunktionen zu erhöhen. Flankierend dazu wird an einem familiengerechten Leitbild für Führungsposten gearbeitet. Zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden für Mütter und Väter bedarfsgerechte Modelle entwickelt. „Väterförderung“ und Kinderbetreuungsplätze sind Stichwörter dazu. Flexiblere Arbeitszeiten, variable Teilzeitmodelle während der Karenz sind nur einige der Maßnahmen, die schon bis Herbst 2002 umgesetzt werden sollen.