Buchpräsentation: Die Inquisition. Eine Chronik des Schreckens
Ausgabe: 2001/46, Inquisition, Dirnbeck
13.11.2001
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Haarsträubende Auslegungen der Bibel, Lügen im Dienst der vermeintlichen Wahrheit oder der Brief eines von der Folter gezeichneten Vaters an seine Tochter – das Buch „Die Inquisition“ von Josef Dirnbeck geht unter die Haut.
Das jüngste Werk des Theologen und burgenländischen Schriftstellers Josef Dirnbeck ist nicht einfach zu lesen. Nein, nicht der Stil macht es schwer, sondern der Inhalt. Der Autor zeichnet penibel die blutige Spur nach, die sich durch die Geschichte des Christentums zieht: vom ersten vergossenen Blut eines Ket-zers im Jahr 385 bis zu den spektakulär inszenierten Autodafés in Spanien, von den Folterkammern der Inquisition bis zu den Scheiterhaufen des Hexenwahns. Nicht einmal Berühmtheit schützte vor Verfolgung. Die Liste prominenter Inquisitions-Opfer ist lang: unter anderem die Französin Jeanne d’ Arc, die wenige Jahre nach ihrem Tod am Scheiterhaufen rehabilitiert und später sogar heilig gesprochen wurde, und der Astronom Galileo Galilei.
Die Quellentexte, anhand derer Dirnbeck das Thema behandelt, ziehen die Leser/innen in Bann und stoßen zugleich wegen der oft bis ins Detail geschilderten Grausamkeiten ab. Prägnant formulierte Erläuterungen bilden einen roten Faden durch die historischen Texte. Die Lektüre macht sprachlos und betroffen: Und genau das will der Autor: „Wer sich in jene Zeugnisse menschlicher Abgründigkeit vertieft, die ihm in den Akten und Dokumenten begegnen, kann sich nicht heraushalten.“
Wie kein Kirchenoberhaupt vor ihm hat sich Papst Johannes Paul II. dem Versagen der Kirche gestellt und im Heiligen Jahr 2000 ein Schuldbekenntnis gesprochen, in dem er Gott um Verzeihung der Sünden bittet, die „die Kirche im Dienst an der Wahrheit begangen hat“. Ausführlich würdigt Dirnbeck dieses historisch einzigartige Bekenntnis.
Dirnbecks Buch ist eine anregende Lektüre: Denn die Inquisition bleibt für die Kirche – auch aus Ehrfurcht vor den Opfern – eine offene Wunde und ein Anstoß aus der Geschichte des Versagens zu lernen.
Josef Dirnbeck stellt am Dienstag, dem 20. November 2001, um 19 Uhr im Festsaal der Arbeiterkammer Linz sein Buch „Die Inquisition“ vor und spricht über „Gewalt im Namen des Glaubens“. Eintritt: S 70,–/S 35,–/Euro 5,09/Euro 2,54.