Die Geschichte um Jiftach (Ri 11, 29–40) zeigt, was passiert, wenn Menschen „ihr Liebstes opfern“, wenn sie dafür, dass sie beliebt oder wichtig sind, alles hintanstellen.
Es ist eine traurige Szene. Jiftach, Heerführer und Richter, verspricht, dass er, was immer ihm beim Nachhausekommen als Erstes entgegenläuft, Gott opfern werde, wenn er in dieser schwierigen Schlacht gegen die Ammoniter den Sieg davontrage. Vielleicht ahnen Sie: Es ist seine einzige Tochter, die ihm entgegenläuft. Der Vater jammert und stellt sich als Opfer dar, die Tochter lässt sich opfern, erbittet sich aber Zeit, um mit ihren Freundinnen ihre Jugend zu beweinen.
Es ist eine traurige Geschichte. Und es bleibt beim Lesen die Frage offen: Wo ist die Mutter? Wo ist eine Person, die dieses Drama stoppt und deutlich sagt: Dein Versprechen hat nichts mit dem Kind zu tun. Regle du deine Angelegenheiten, ohne dass du das Kind hineinziehst. Wenn du dein Leben opferst für Beruf, Macht und Geld, ist es deine Sache . . . Aber wir wissen: Die Taten der Väter und Mütter haben Konsequenzen für die Kinder. Es leiden die Kinder, wenn die Erwachsenen „ihr Liebstes“ opfern, wenn sie dafür, dass sie angesehen oder beliebt oder wichtig sind, alles andere hintanstellen. Hier im biblischen Text kommt die Mutter gar nicht vor. Nur die Freundinnen sind mit der Tochter, um zu trauern und zu weinen.
Vielleicht wundern Sie sich, dass dieser Text in der Heiligen Schrift überliefert ist. Dieser Text ist eine Warnung, dramatisch zeigt er, was passiert, wenn wir Gott zu unserem Zwecke missbrauchen und alles zu unserem Nutzen opfern. Im Bibeltext würden wir der Tochter eine Person wünschen, die laut „Stopp“ sagt und das junge Mädchen schützt. So ist der Text auch eine Warnung, dass einer den anderen stoppen muss, wenn wir in Gefahr sind, das Liebste zu opfern.