Empörung bei gemeinnützigen Vereinen über neue Posttarife
Ausgabe: 2001/46, Post, Postfuchs, Tarif, Tarife, Steindl
13.11.2001
- Hans Baumgartner
Die neuen Postzeitungstarife bringen Hilfsorganisationen in arge Bedrängnis. Die versprochene Unterstützung der Politik blieb bisher aus.
Noch wird in den meisten Hilfsorganisationen hektisch gerechnet, was ihnen die neuen Posttarife kosten und welche Form des Versandes sie für ihre Spender- und Projektinformationen wählen sollen. Eines aber ist bereits sicher: sie müssen in den nächsten zwei bis vier Jahren (Staffelung je nach Bindung an die Post) mit Portoerhöhungen zwischen 300 und 400 Prozent gegenüber dem Jahr 2000 rechnen. Die Empörung bei den Hilfsorganisationen ist groß. Robert Gerstbach-Muck von Missio: „Allein die erste Steigerungsrate für den Versand der Zeitung ,alle welt‘ (+30%) kostet uns im nächsten Jahr um 435.000 Schilling mehr. Mit derselben Summe können wir drei Monate lang unser Projekt ,Schutzengel‘ zur Betreuung missbrauchter Mädchen in Recife (Brasilien) finanzieren.“ Insgesamt fürchtet Missio Mehrkosten von drei Millionen Schilling ab dem Jahr 2004 für den Versand ihrer verschiedenen Publikationen. Ob man dann noch alle wichtigen Zielgruppen ähnlich gut mit Informationen versorgen kann wie bisher, sei keineswegs sicher, meint Gerstbach-Muck.
Leere Versprechungen
Der Ärger, dass Spendengelder in diesem Ausmaß von Portokosten aufgefressen werden, ist auch bei der Caritas hoch. „Wir haben sehr strenge Kriterien für die Verwendung von Spenden. Dazu gehört ein eng begrenzter Aufwand für die Verwaltung und die Spendenwerbung. Wir wissen nicht, wie wir diesen Rahmen halten sollen“, meint Gabriele Sonnleitner. Die Caritas habe zahlreiche Gespräche mit zuständigen Politikern geführt. „Und es gab große Versprechen von Frau Minister Forstinger. Herausgekommen ist dabei praktisch nichts, denn der eigens für gemeinnützige Vereine angebotene Tarif für Sponsoring-Post ist nicht viel günstiger als der allgemeine Zeitungstarif und würde zusätzliche Verwaltungs- und Verpackungskosten verursachen“, kritisiert Sonnleitner. Die Caritas ist von den erhöhten Postgebühren mit zahlreichen Publikationen betroffen. Neben der „Spenderinformation“ (Auflage 250.000 sieben Mal im Jahr) und der „Caritaszeitschrift“ für Meinungsbildner (4 x 25.000) erscheinen auch in etlichen Diözesen eigene Zeitungen. Krisenstimmung herrscht bei der „Aktion Leben“. Schon die Tariferhöhung von 70 auf 90 Groschen mit Jänner 2001 führt dazu, dass weniger Informationsblätter verschickt werden konnten. „Wir haben bisher unser Infoblatt in einer Auflage von 150.000 Stück versandt. Schon heuer mussten wir zwei der vier Ausgaben auf knapp 100.000 Exemplare reduzieren“, beklagt Gertraude Steindl. Für die „Aktion Leben“ bedeute das nicht nur, dass man weniger potentielle Spender erreicht, sondern auch, „dass wir die so wichtigen Informationen über Fragen des Lebensschutzes und über unsere Hilfsangebote nicht mehr so breit streuen können.“ Wie das bei einen Tarif von über zwei (bis 2,30) Schilling pro Exemplar ausschaut, will sich Steindl noch gar nicht ausmalen. Der Frust bei der „Aktion Leben“ ist groß: „Wir leisten einen unersetzlichen Dienst für die Gesellschaft und dafür werden wir auch noch bestraft.“Ausgelöst wurden die Posttarifsteigerungen von der gegenwärtigen Regierung. Sie hat den Zuschuss für den Zeitungsversand von 900 Millionen (1999) auf Null gekürzt. Massiv betroffen (Steigerung von 0,6 Schilling im Jahr 2000 auf 2,50 bis 2,90 in zwei bis vier Jahren) sind auch die Kirchenzeitungen, die auf die Post angewiesen sind.